Highlights zum Abschluss – Panamakanal und San Blas Islands

Zwei Highlights der Reise habe ich bis zum Schluss aufgehoben – auch wenn der Spruch „das Beste kommt zum Schluss“ nicht ganz passt, denn die gesamte Reise war bombastisch – gab es doch noch zwei bemerkenswerte Highlights in Panama: der Panama Kanal und die San Blas Inseln.

Der Panamakanal ist ein gigantisches Meisterwerk welches bereits seit mehr als 100 Jahren Schiffe jeder Größenordnung (seit einer Erweiterung 2016 nun auch die größten Containerschiffe der Welt) zwischen Pazifik und Atlantik über den Kontinent „hebt“. Hier stehen die Schiffe vor den Toren Panama Citys Schlange um durch die Puente de las Américas hindurch auf die Schleusenanlagen zuzusteuern. Ziemlich beeindruckend sind die vielen Schleusen mit den riesigen Schiffen, aber auch die Tatsache, dass die Schleusentore noch Original von 1914 sind (an den älteren Schleusen wie der berühmten Miraflores-Schleuse). Spannendste Zahlen für mich? Der niedrigste (36 Cent – von einem Amerikaner der den Kanal durchschwamm) und höchste Betrag (1 Mio USD – ein japanischer Riesenfrachter der 2016 passierte) die je bezahlt wurden um den Panamakanal zu passieren. Man kann hier wunderbar einen ganzen Tag verbringen und den Schiffen zusehen wie sie auf den Schleusen abgelassen (oder gehoben) werden.

Was unsere letzten Tage ohne Bus anging, überlegten wir lange Hin und Her wie wir diese verbringen wollen. Es gibt sehr viele schöne Ausflugsziele in der Region, und nach längerem Abwägen entschieden wir uns für einen Abschluss auf den San Blas Inseln in der Karibik. Fast Jeden den wir getroffen haben und der Panama schon mal besucht hat, hat uns dieses Inselarchipel ans Herz gelegt, also wurde es unser letzter Ausflug. Die Inseln liegen auf autonomen Gebiet der Guna Yala, eines Stammes der weitgehend traditionelle Lebensweise erhalten konnte und die Inseln verwaltet. Daher sucht man hier Hotelbunker oder bekannte Ketten vergebens; geschlafen wird in Hüten und die Guna bewirtschaften selbst. Ein weiteres Inselparadies mit bunten Fischen, wundervollen Stränden – ein Ort um die Seele baumeln zu lassen und diese gigantische Reise ausklingen zu lassen.

Uns hat es hier zwar sehr gut gefallen – allerdings hatte es mir Bocas (und auch Isla Coiba) mehr angetan. Gründe dafür gab es ein paar: Neben der Müllverschmutzung (Die Guna haben kein Bewusstsein für die Entsorgung industrieller Abfälle, früher ernährten sie sich hauptsächlich von Fisch und Kokosnüssen, das wurde und konnte alles ins Meer entsorgt werden weil es organisches Material war. Bei Plastikmüll funktioniert das leider nicht mehr. Gerade um die großen Inseln war es schon ordentlich dreckig. Hier ist der moderne Konsum zwar teilweise eingezogen, das Bewusstsein wie man mit den Hinterlassenschaften umgeht, leider jedoch noch nicht.). Am meisten war es jedoch wohl die Tatsache wie „gehypt“ die San Blas Inseln sind (im Vorfeld wurde uns 3x gesagt so etwas Schönes hat man nirgendwo sonst auf der Welt gesehen) und die Erwartungen dementsprechend hoch waren. Es war traumhaft, keine Frage – aber das war Cahuita in Costa Rica auch, Isla Coiba oder Bocas del Toro… San Blas sind wunderschöne Karibikinsel, mit sehr ursprünglichem Flair, aber sie waren jetzt anderen wunderschönen Zielen definitiv nicht überlegen, sondern eine sehr schöne Ergänzung würde ich sagen 😉. Außerdem ist das Verhältnis der Guna Yala und Tourismus ein sehr schwieriges und teilweise negativ belastetes Verhältnis. Nicht zuletzt deswegen weil Manche sich nicht zu benehmen wissen (was wir leider selbst miterleben mussten an einer unfassbar rücksichtslosen Gruppe von 7 jungen mexikanischen Männern, die ich direkt am liebsten von Bord geschmissen hätte, samt ihres saufenden, lauthals grölenden, Musikbox-beschallenden asozialem Verhalten; leider reichte mein Spanisch für so eine Konversation nicht aus, und mein Englisch verstanden sie nicht…). Daher, wirklich Willkommen fühlt man sich nicht, sondern eher als Eindringling, der die Gebräuche der lokalen Bevölkerung sowieso nicht respektieren wird. Die Guna haben sogar einen eigenen Katalog verfasst, wie man sich benehmen sollte und auch Yachten wird immer seltener erlaubt zu ankern. Das sind die ersten Anzeichen dass die lokale Bevölkerung die Schnauze voll hat vom respektlosen Verhalten mancher Reisenden, was man allerdings leider auch dann abbekommt, wenn man nicht zu dieser Sorte Mensch gehört. Ich hoffe sehr dass die Guna irgendwie die Balance finden zwischen sanftem Tourismus und Bewahrung. Trotz dieser Faktoren waren die San Blas Inseln ein wunderbarer Abschluss, denn dort herrscht Ruhe, kein Trubel, keine Straßen, keine Autos, kein Handynetz, winzige Inselchen um die man in 10 Minuten zu Fuß läuft, und man nichts anderes tun kann (und will!) als sich an den Strand zu setzen und auf das Meer zu blicken… (und evtl. hin und wieder ein Foto zu schießen 😁).

Ein Resümee zu Panama ist nicht ganz einfach, denn zeitweilig war es etwas mehr Achterbahnfahrt als bisherige Länder. Das Wetter war sehr instabil, wir hatten wohl die meisten Regentage hier; und leider keine „es hört nach 2h wieder auf“-Tage, sondern tagelang mit zunehmender Steigerung unserer Frustration. Die Regenfälle hier waren so stark dass fast alles lahmgelegt ist. Zudem gibt es hier viele „Strand/Wasser/Insel“-Ziele, die alle nicht angefahren werden, wenn das Wetter nicht passt. Das hat uns doch viele Tage Rumsitzen beschert und das schlägt sich aufs Gemüt. Doch wenn es geklappt hat, hat sich Panama von seiner besten Seite gezeigt, die Unterwasserwelt war vielfältig, die Strände mit feinweißem Sand und türkisblauem Meer, sowie die pulsierende spannende Metropole Panama City.

Meine Highlights in Panama

Traumhafte Strände und ursprüngliches Karibikflair auf Bocas del Toro
Unterwasserwelt im Coiba Island Nationalpark
Panama-City als pulsierende vielseitige Metropole

Unser Routenverlauf

Wir waren 20 Tage in Panama unterwegs, und haben dabei 1.504 km zurückgelegt – geplant waren 1.900 km in 22 Tagen. Die größte Änderung war, dass wir nicht ins Darien gefahren sind – obwohl der Nationalpark sehr schön sein soll, ist es nur mit Erlaubnis der Regierung und extrem teuren geführten Touren möglich dorthin zu reisen (aufgrund der starken Präsenz der Drogenkartelle und kolumbianischer Gangs im Grenzgebiet); daher entschieden wir uns, diesen Teil Panamas auszulassen.

Mir hat Panama gefallen, aber irgendwie fühlten wir uns „unfertig“. Da wir viel der Dinge nicht machen konnten die wir tun wollten (das Hochland z.B.), auch weil der Tourismus nach der Pandemie nur schleppend angelaufen ist. Außerhalb von Panama Stadt war es unglaublich schwer Touren etc. zu bekommen. Wir hätten z.B. sehr gerne eine Rumtour gemacht, doch alle Haciendas öffnen nicht vor der nächsten Hauptsaison (also ab Dezember). Panama war wohl das einzige Land, welches ich verlassen haben, wo sich bei mir das Gefühl einstellte „Hier will ich nochmal her wenn keine Regenzeit ist“. Vielleicht lag es aber auch daran, dass Panama unser letztes Land auf dieser großen Reise war und unsere Erwartungen dementsprechend ein wenig höher lagen. Es war auf jeden Fall das perfekte Land um die Reise zu beenden, denn Panama hat alles: wunderschöne Natur, gigantische Unterwasserwelten, Strände wie auf den schönsten Postkartenmotiven eine pulsierende, einnehmende Metropole und ein Meisterwerk der Moderne: der Panamakanal. Interessanterweise hatten wir (wie viele Andere) vor dieser Reise Panama nicht besonders auf dem Schirm, doch nach den Wochen hier muss ich eindeutig sagen: Neben Costa Rica ist Panama das perfekte Zentralamerika- und Tropeneinsteiger-Paradies; für mich ist es sogar das bessere Costa Rica… 😉


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2022 ging es wieder los – diesmal von Kanada bis Panama – 44.000 Kilometer auf dem nordamerikanischen Kontinent, unterwegs mit einem (selbst) ausgebauten T5 Bulli, den meine bessere Hälfte und ich, von Deutschland verschifften.