Auf nach Panama City – Metropole am Pazifik und Abschied vom Bulli

In Panama-City angekommen lag der Fokus anfangs auf der Abgabe des Autos. Das Ganze ist ein mehrstufiger und ziemlich langwieriger Prozess, und alles hängt von der ETA (Estimated-Time-of-Arrival; also ‚erwartete Ankunftszeit‘) des gebuchten Schiffes ab:

  1. Vorstellung, Kontrolle und Freigabe des Autos bei der Polizei in Panama-City: 7-10 Tage vor ETA
  2. Vorstellung, Kontrolle und Freigabe des Autos beim Zoll in Colon: 3-5 Tage vor ETA
  3. Abgabe des Autos im Hafen von Colon: 3-5 Tage vor ETA

Vor Schritt #1 hatten wir am meisten Respekt, weil sowohl unsere Verschiffungsfirma Seabridge als auch die Erfahrungsberichte bei iOverlander das Gleiche sagten: „Hier müssen alle Autos durch; auch wenn ein Panamaer nur für 2-3 Tage mit eigenem Auto z.B. ins Nachbarland Costa Rica möchte.“ Problem/Herausforderung dabei: Die Polizei bearbeitet pro Tag maximal 25 Autos, und ‚wer zuerst kommt mahlt zuerst‘. Die Infos wann es bei der Polizei morgens los geht, waren unterschiedlich; Manche berichteten von 8.00 Uhr, Andere von 6.30 Uhr. Einig waren sie sich aber darin, dass wenn man sich nach 6.00 Uhr dort anstellt, dass man dann nicht mehr dran kommt. Um doppelt abgesichert zu sein haben wir Schritt #1 genau 10 Tage vor ETA gemacht, und haben uns um 3.30 Uhr den Wecker gestellt, um kurz nach 4 Uhr vor Ort zu sein (sehr deutsch eben, wenn online steht man soll spätestens um 5 kommen, sind wir natürlich um 4 Uhr da).

Dieses spezielle Polizeigelände befindet sich am Rande eines Stadtviertels mit sehr schlechter Sicherheitslage, welches man möglichst nicht bei Dunkelheit besuchen sollte, aber es hilft nichts…
Gegen 5.00 Uhr hat uns dankenswerterweise ein Mitarbeiter des Reinigungspersonals das Tor für die Einfahrt auf das Polizeigelände geöffnet.

Um 6.30 Uhr wurde die Nummern vergeben, um 7.30 Uhr die notwendigen Dokumentenkopien eingesammelt, und kurz vor 8.00 Uhr ging die Kontrolle los. Kontrolle ist wahrscheinlich etwas viel gesagt. Es wird lediglich gecheckt ob die VIN (Vehicle Ident Number) und das Kennzeichen des Fahrzeugs mit den Angaben in den Dokumenten übereinstimmt.
Als Nummer 1 waren wir um 8.04 Uhr mit dem morgendlichen Teil von Schritt #1 fertig.

Mittags um 14.30 Uhr geht der Spaß auf der anderen Seite der Schnellstraße weiter. Die Zeit bis dahin nutzen die Behörden um zu überprüfen ob gegen das Fahrzeug oder den Halter irgendwelche Strafzettel, Anzeigen, etc. vorliegen. Falls nicht, und die Dokumente in Ordnung sind, gibt es eine Bestätigung dass das Auto aus polizeilicher Sicht ausgeführt werden darf. Das Prozedere dauert normalerweise keine halbe Stunde; nur hatten wir das Pech dass die Chefin der Behörde (die die finale Unterschrift leisten muss) freitags immer 14.00-16.30 Uhr ein externes Meeting hat, und somit alle 25 Antragsteller bis nach 17.00 Uhr warten mussten. Keine Ahnung warum man uns trotzdem auf 14.30 Uhr dorthin bestellt, und uns erst nach dem zigsten Nachfragen um 16.15 Uhr das Ganze erklärt. 😤 Egal, wir waren heilfroh diesen Teil am ersten Tag und ohne Probleme geschafft zu haben. 🙌 Beim Warten sind wir mit einem Chilenen ins Gespräch gekommen, der sein Wohnmobil von Kolumbien nach Panama verschifft hatte (wie gesagt, die Panamericana ist keine durchgehende Straße!), und dafür mal schlappe 8.500 USD bezahlt hat. 😲

5 Tage später ging es ans wirkliche Abschied nehmen, Schritt #2 und #3.

Zuvor jedoch muss das Fahrzeug gesäubert werden; und es muss alles in den Bus, was zurück nach Deutschland gehen soll – was wir also nicht verfliegen können oder wollen. Und natürlich muss das Ganze verschiff-fertig verstaut werden. Das bedeutet alle Wertgegenstände raus und alles so verstauen dass das Fahrzeug „blickleer“ ist, und auch bei starkem Wellengang nichts durch die Gegend fliegt. Dann noch ein letztes Erinnerungsfoto vor der Verwaltung des Panama Kanals und es heißt langsam Abschied nehmen.

Am Hafen in Colon haben wir bei der Reederei die restlichen notwendigen Dokumente abgeholt, einige letzte Verabschiedungsfotos gemacht, sowie einen „englischsprachigen Unterstützer“ eingesammelt, der uns bei den restlichen Stationen helfen sollte. Sagen wir es einmal so: Dessen Englisch war deutlich schlechter als mein geringfügig-vorhandenes Spanisch; die 50€ waren die wohl größte Verschwendung der kompletten Reise (Was mit etwas Abstand eigentlich schon wieder etwas Gutes ist).

Anschließend ging es zum Zoll. Dort lief es ähnlich, aber deutlich langsamer (3h!) ab wie an jeder Grenze; mit dem Unterschied dass hier ein Zusatzstempel in den Reisepass kommt, der die Ausreise ohne Fahrzeug gestattet. Im Gegensatz zu z.B. Mexiko erlaubt es Panama nämlich das Land zu verlassen bevor das Schiff internationales Gewässer erreicht.

Von dort aus ging es zur finalen Fahrzeugabgabe im eigentlichen Hafengelände. Nach dem typischen, und inzwischen fast schon lieb gewonnen Papierkrieg, war eine letzte Inspektion an der Reihe – und die hatte es in sich: Zuerst kam ein großer Transporter angefahren mit Hundetransportboxen. Einer der Schäferhunde durfte aussteigen, und bekam in sehr liebevoller Manier Schühchen über seine Pfoten gezogen. So ausgerüstet wurde er zum T5 geführt und hat alles beschnuppert: Von der Heckklappe aus den hinteren Teil, den Wohnraum mit allen Schranktüren im offenen Zustand, die Beifahrerseite, die Fahrerseite, und zwei Mal ums Auto drum rum. Und obwohl ja klar war für uns, dass wir selbst nichts Verbotenes rein hatten… war die Erleichtergund doch groß, als das Ganze vorbei war. Es folgte eine weitere, visuelle Inspektion. Dass wir alles fein säuberlich verpackt und verzurrt hatten war dem Mann dabei völlig egal – er hat sich fast jede noch so kleine Box zeigen lassen. Zusätzlich dazu mussten die elektrischen Fensterheber auf beiden Seiten zeigen dass die Scheiben problemlos komplett hoch und runter fahren. Er hat nur gelächelt und gemeint „escondite típico de los principiantes“ (deutsch: „typisches Versteck der Anfänger“). Als letzter Schritt wurden gut und gerne 30 Fotos von innen und außen gemacht, um den Zustand bei Übergabe zu dokumentieren. Nachdem man den Schlüssel außen im Fahrerschloss stecken lässt (seeeehr komisches Gefühl nach 6 Monaten, in denen man jedes Mal das Abgeschlossen-Sein jeder Tür einzeln überprüft) wurde das finale Abgabedokument ausgehändigt, und das war’s. Wir sehen uns in circa 4 Wochen in Bremerhaven, T5 – hab‘ eine schöne Reise. 🚢

Auch wenn unsere Agenda in Panama-City in den ersten Tagen von der Auto-Abgabe bestimmt war, haben wir an den Tagen an denen nicht so viel los war, die Stadt entdeckt und können sagen „Diese Metropole ist wirklich eine Wucht“. Zwischen Guatemala und Panama gibt es keine andere Stadt die uns so gut gefallen hätte (auch wenn Granada wirklich auch sehr schön war). Panama-Stadt spielt in einer anderen Liga. Hier trifft Megacity und Slums auf koloniale prunkvolle Gebäude. Und es geht sogar noch weiter zurück: Mit der Ruinenstädte Panama-Viejo, welche eine der ersten gegründeten spanischen Siedlungen an der Pazifikküste war; und beinahe all dies liegt nur einen Straßenzug voneinander entfernt. Wir brauchten etwas Zeit uns in diese Stadt „einzufinden“ und die Kontraste sind riesig groß – hier kann man tagelang verbringen und für uns ist diese Stadt definitiv eine Reise wert (auch wenn es leider wieder sehr viele Regentage gab). Da wir einige Zeit in Panama-Stadt verbracht haben, ist es schwer sich auf wenige Highlights in diesem Beitrag zu beschränken. Ich versuchee es trotzdem 😉.

Unsere Unterkunft liegt in Cerro Ancon, dem Stadtviertel der Verwaltung des Panama Kanals. Die Gebäude hier sind schick und der Baustil zeugt von der langen Geschichte v.a. amerikanischer Präsenz in der Freihandelszone.

Aus Cerro Ancon heraus starteten wir unsere Entdeckung im alten Panama-Viejo – die Ruinenstätte ist ganz nett; sicherlich kann diese mit anderen archäologischen Stätten des Kontinents kaum mithalten. Interessant ist vor allem die Geschichte als erste Siedlung und der tolle Blick auf die Sykline der Stadt vom Gelände aus.

In Panama-Stadt liegen Armut und Reichtum nur einen Straßenzug entfernt: In den ärmeren Vierteln türmt sich an mancher Stelle der Müll (da hier viele Menschen auf engstem Raum leben) und es stehen verlassene Autos am Straßenrand (so viele wie wir nirgendwo sonst in Zentralamerika gesehen haben), nach heftigen Gewittern steht der Regen in den Straßen, die Kanäle sind marode und für die Regenmassen hier nur unzureichend ausgebaut. Wir sahen diese Viertel (auch durch die Autoabgabe) zuerst und waren daher etwas skeptisch wie der Rest der Stadt so sein würde.

Daher überraschte das Altstadtviertel umso mehr. Die Renovierungsarbeiten in den kolonialen Stadtvierteln kommen stetig voran, es reiht sich ein Luxushotel und -apartment an das Nächste. Zwischen den Luxushäusern sieht man ab und zu noch nicht renovierte Häuserzüge. Die Altstadt von Panama-Stadt hat in den letzten 15 Jahren wohl einen Turnaround gemacht, von einer komplett verfallenen Innenstadt hin zu wunderschönen, historisch restaurierten Gebäuden, tollen Restaurants und Cafés die zum Verweilen einladen. Es lässt sich herrlich durch die Gässchen flanieren und am Meer entlang auf die Skyline der Neustadt blicken. Das alles macht Panama-Stadt spannend, kontrastreich und zu einem Erlebnis (ein anderes Thema ist hier sicherlich, wie sich die zunehmende Gentrifizierung der Innenstadt auf die lokale Bevölkerung auswirkt, hier habe ich sogar einige Protestschilder gesehen, die das Thema ansprachen).

Wir haben einige Zeit in der Stadt verbracht, und es dauerte etwas bis wir mit der Stadt „warm“ wurden, v.a. weil die Stadt doch größere Ausdehnungen hat und die Viertel sich extrem unterscheiden. Für mich ist Panama-Stadt nach dieser Reise definitiv gleichauf mit Antigua. Einen Favoriten zu wählen fällt deshalb schwer, weil Antigua eher „kleiner“ war, und die Gebäude aus einer anderen Zeit stammen als in Panama-Stadt, aber gerade das auch Antigua so charmant macht. Panama-Stadt ist dafür um Einiges beeindruckender und „städtischer“, aber auch unpersönlicher. Wer Panama besucht, sollte mindestens 4 Tage Panama-Stadt (und Umland) einplanen – wir waren über eine Woche und haben bei Weitem nicht alles sehen können was wir wollten… eine großartige Metropole für unser letztes Land war diese Stadt in jedem Fall.


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2022 ging es wieder los – diesmal von Kanada bis Panama – 44.000 Kilometer auf dem nordamerikanischen Kontinent, unterwegs mit einem (selbst) ausgebauten T5 Bulli, den meine bessere Hälfte und ich, von Deutschland verschifften.


Kommentare

Eine Antwort zu „Auf nach Panama City – Metropole am Pazifik und Abschied vom Bulli”.

  1. […] Lieblingsstadt: Panama City, Panama […]

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