Die Götter der Nebelwälder und die Pazifikküste – Pura Vida

Nachdem wir in und um Cahuita auf der Karibikseite Faultiere, Spinnen, Affen und Schlangen gesehen hatten, fehlte eigentlich nur noch ein ganz besonderes Exemplar der Tierwelt auf unserer Wunschliste: Der Göttervogel Quetzal. Und da es nirgends eine größere Chance gibt dieses scheue Tier zu sehen als im ‚Parque Nacional los Quetzales‚ im Nebelwald südöstlich von San José, ging es für uns natürlich dorthin.

Von Cahuita in den Nebelwald (höchster Punkt auf 3.230m) haben wir 31°C „verloren“. Wir wisen nicht warum das dortigen Hotel Lauraceas für eine Nacht so günstig war, aber nach einigen Wochen in sehr einfachen Unterkünften haben wir uns über dieses wunderschöne Hotel (mit hervorragendem Essen und sehr nettem Personal) maximal gefreut. Und wir waren sehr dankbar um die heiße Dusche und dicken Decken. 🥶

Am nächsten Morgen hieß es um 4.40 Uhr aufstehen, denn der Göttervogel liebt es offensichtlich sehr frühzeitig zu speisen – und das am Liebsten wilde Avocados an drei Bäumen. 🙈 Und tatsächlich… am 2ten Baum und bei 6°C hat unser Guide den Quetzal entdeckt; Männchen und Weibchen. 🤩

Und da sich der Vogel dankenswerterweise schon so früh und fototauglich präsentiert hatte, konnten wir vor dem Frühstück sogar noch den botanischen Garten unserer Unterkunft bewundern. Ein rundum gelungener Zwischenstopp auf dem Weg zum Pazifik.


Am Pazifik angekommen ging es für uns als Erstes in den wohl bekanntesten costa-ricanischen Nationalpark, Manuel Antonio. Aufgrund der Nähe zur Hauptstadt San José und den bei US-Touristen beliebten Hotelresorts auf Guanacaste, wimmelt es dort in der Hauptsaison von Touristen. Dadurch dass wir in der Nebensaison hier waren, war die Besucherzahl selbst an den beliebten und wunderschönen Stränden dankenswerterweise sehr überschaubar. Leider war anhand der Unfreundlichkeit/Abgestumpftheit und der >20% Trinkgelderwartung der Einfluss von Massentourismus in Quepos und Umgebung jedoch deutlich spürbar. Der Park, die Tiere und die Strände in Manuel Antonio waren trotzdem ein schöner Ausflug (wenn auch etwas überbewertet und nicht unbedingt notwendig), Lustig war, auf dem Weg von Manuel Anton liegt ein besonders Restaurant welches um ein Flugzeug herumgebaut wurde, in dem wir für einen Kaffee Halt machten (Der erste vernünftige Kaffee „in einem Flugzeug“ übrigens 😂).

Uns hat es in und um Uvita und dem Nationalpark Marino Ballena besser gefallen. Der besteht zwar nur aus Strandabschnitten und Unterwassergebieten (hat also keinen Wald wie Manuel Antonio) ist allerdings auch weniger überlaufen und Manuel Antonio hatte nichts, was wir nicht schon anderswo gesehen hatten. Das Highlight in Marino Ballena sind Walbeobachtungstouren (wenn man nur in Costa Rica ist, sollte man das nicht versäumen!); wir entschieden uns allerdings diese Tour aus Panama heraus zu machen, da die Wale die gesamte Pazifikküste entlang ziehen.

Ein schöner und entspannter Ausklang für eine tolle Zeit in Costa Rica, bei dem wir den Slogan der Costa-Ricaner „Pura Vida“ (was man sich hier zur Begrüßung und Verabschiedung wünscht) erleben durften.
Allerdings hegen wir auch den Verdacht dass dieser Vibe an mancher Stelle zu mehr Kommerz und Verklärung gerade durch Aussteiger (und die, die es noch werden wollen) führt als in den Nachbarländern. Uvita war hier besonders schlimm, hier sammeln sich verschiedene Hipster Aussteiger in Kaffees und essen veganes Soulfood für horrende Preise, die sich die Einheimischen nicht leisten können oder trinken die neuesten Getränkekombis mit Chiasamen und philosophieren über das „reine Leben“ in Costa Rica, wohingegen die einheimische Bevölkerung diesen Luxus an vielen Orten (z.B. der Karibikküste) nicht hat. Wenn man dann noch zusätzlich sieht, dass 50% der Häuser in Uvita zum Verkauf stehen und verwaist sind, weil in der Pandemie viele Nicht-Einheimische das Land verlassen haben und somit auch ihr Kapital abzogen, ist das ein bitterer Kontrast.
Etwas abseits der Hauptrouten haben wir die Costa-Ricaner*innen als sehr freundlich, entspannt und nett erlebt. Das Land hat ursprüngliche Seiten die eine Entdeckung wert sind, doch jedes mal wenn wir in den Dunstkreis der großen Tourirouten kamen, merkte man den negativen Einfluss leider extrem. Vielleicht lag es daran, dass nach zwei Jahren mit wenig Tourismus die Not in dieser Branche besonders groß ist. Die überdimensionierten Restaurants waren größtenteils verwaist; es war überall sehr ruhig, auch in Regionen wie z.B. rund um den Arenalsee. Überall dort wo viel Tourismus (v.a. nordamerikanischer) stattfindet waren die Einheimischen unfreundlich (bzw. Freundlichkeit gibt es nur gegen Trinkgeld), latent genervt, oder man kam sich vor als würde man als wandelnde Dollarnote betrachtet. Beispielsweise fragte man in anderen Ländern (z.B. Nicaragua) aus Interesse was wir machen, woher das Auto stammt etc. – die Menschen fanden es einfach spannend. In Costa Rica war dies nur der erste Gesprächseinstieg um uns im zweiten Satz eine Tour aufschwatzen zu wollen. Daher verlassen wir Costa Rica mit sehr gemischten Gefühlen: Die Natur ist atemberaubend schön, es ist ein tolles, sicheres Reiseland mit guten Standards und wunderschönen Ecken mit freundlichen Menschen, aber unser Liebling des Kontinents wird es aus o.g. Gründen wohl nicht werden. Daher haben wir in diesem Land weniger Zeit verbracht als geplant und unsere Highlights sind vor allem tierischer Natur. 😀


Meine Highlights in Costa Rica

Die posierlichen Faultiere sind einfach zu süß für diese Welt 🥰
Endlich durften wir den wunderschönen Quetzal sehen
Die Nachttouren waren ein Highlight – Beide unterschiedlich und mehr als ihr Geld wert

Routenverlauf

Wir waren 12 Tage in Costa Rica unterwegs, und haben dabei 1.523 km zurückgelegt – geplant waren 1.650 km in 18 Tagen. Die größten Änderungen waren, dass wir Tortuguero gegen Cano Negro getauscht und den Nationalpark Corcovado gestrichen haben, weil wir eine ähnliche aber schönere Vegetation auf/um Insel Coiba in Panama erwarten; außerdem haben wir den Nationalpark Quetzales aufgenommen.


Mehr zu T5raumreise

2022 ging es wieder los – diesmal von Kanada bis Panama – 44.000 Kilometer auf dem nordamerikanischen Kontinent, unterwegs mit einem (selbst) ausgebauten T5 Bulli, den meine bessere Hälfte und ich, von Deutschland verschifften.


Kommentare

Eine Antwort zu „Die Götter der Nebelwälder und die Pazifikküste – Pura Vida”.

  1. […] Scheustes Fotomotiv: der Göttervogel Quetzal […]

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