Wenn es von Nicaragua nach Costa Rica geht, dann geht es an dieser einen Grenze 70 Plätze auf dem ‚Human Development Index‘ nach vorne (Deutschland ist #3), und es ist einem bewusst dass das Preisniveau massiv ansteigt; primär bedingt durch viel Tourismus, vor allem aus den USA. Der Abschluss der temporären Importerlaubnis (TIP) für unseren T5 aus Nicaragua an der Grenze gestaltete sich ähnlich aufwändig wie die Einreise. Obwohl es an der Grenze zu Costa Rica seit 2 Jahren einen neuen, großzügigen Grenzkomplex gibt, spricht dort immer noch Niemand Englisch, und (noch viel schlimmer) keiner weiß wie was funktioniert. Man fragt 3 Leute und bekommt 5 Aussagen.

Immer wenn man denkt man hat jetzt endlich alle notwendigen Stempel auf dem TIP, kommen noch mindestens 3 weitere Stationen und Stempel drauf. Fühlt sich an wie der berühmte Passierschein A38 aus Asterix und Obelix (und sieht am Ende im GPS-Tracking auch so aus), inklusive nochmaligem Röntgen dauerte es 2,5h Gesamtzeit.
Auf costaricanischer Seite hatten wir das Pech uns hinter 3 vollen Bussen einsortieren zu müssen. Aber die Prozesse hier sind so schnell (und zweisprachig) dass wir inklusive TIP nach knapp 1,5h im Land waren. Unseren T5 hat sich nicht mal Jemand angeschaut und auch wir wurden einfach durch die Passkontrolle „durchgewunken“.
Die ersten 50km (noch auf der Panamericana) waren tiptop, und man hat an den Häusern der Straße entlang eindeutig gemerkt dass dieses Land deutlich reicher ist als die Vorherigen. Doch dann kam es dicke… die Straße abseits der Hauptroute zu unserem ersten Stopp nahe Caño Negro war so voller teils brutaler Schlaglöcher dass wir für 20 km knapp 3h gebraucht haben – alles Andere als ein Vergnügen und fast ein Schock, da wir nach hervorragenden Straßen in Nicaragua so etwas in Costa Rica nicht erwartet hätten. Am nächsten Tag haben wir einen Bootsfahrt durch das Caño Negro Gebiet gemacht. Caño Negro ist von der Pflanzen- und Tierwelt vergleichbar zum deutlich bekannteren, touristisch gnadenlos überlaufenen Tortuguero (nur ohne die brütenden Schildkröten, die aber zu der Zeit sowieso schon weg waren). Wir waren hier das einzige Boot, und nicht nur das; wir waren auch die einzigen Touristen und bekamen eine Privattour und konnten somit auch wirklich die Stille des Dschungels (bzw. die Laute des Dschungels) genießen, nach unzähligen Vogelarten, Reptilien und Amphibien Ausschau halten. Das wohl Coolste war eine schwimmende Schlange die ihre Kreise durch das Wasser zog. Aber auch die kleinen Fledermäuse die ihre Jungen wiegten waren lustig anzusehen (die Jungen hängen am Bauch und strecken die Flügel ab und zu raus).













Am Ende der Bootsfahrt wollten wir unseren restlichen nicaraguanischen Cordoba (die wir leider in einer Hosentasche übersehen haben) an einen etwas älteren Mann am Anlegesteg verschenken, der selbstgemachte Schokolade verkauft hat. Er hat sich so gefreut dass er uns eine Packung selbstgemachte Schokolade geschenkt hat. Nachdem wir die probiert hatten war klar.. Wir kaufen gleich noch Zwei. 😉 Über einen Zwischenstopp am Rio Celeste (ein türkiser Fluss) und der Begegnung einer weiteren sehr posierlichen Echse ging es zu unserem Übernachtungsspot in La Fortuna.

Übernachtet haben wir in La Fortuna, und damit im zweit-touristischten Ort unserer Costa Rica Reise. An den Übernachtungspreisen merkt man das nicht – die US-Touristen schlafen meist in großen Resorts, und die sind bei einer so langen Reise eh unerschwinglich. Die kleineren Hotels/Hostels/Apartments unterscheiden sich preislich in Gesamt-Zentralamerika wenig bzw. kaum. Woran man aber merkt wie extrem der Einfluss der US-Touristen ist, sind die Eintrittspreise für Privatparks (also nicht-staatliche): Für einen eingezäunten Faultierpark der Größe eines Fußballfeldes wurden 50 US$ pro Person verlangt. Haben wir natürlich nicht gemacht – was wir auch nicht bereut haben (-> nächster Beitrag). Wir haben stattdessen den Nationalpark Vulcano Arenal inkl. See besucht und sind weiter ins Nebelwaldresort Monteverde gefahren.
In Monteverde lag Freud und Leid (wenn man das auf so einer Traumreise überhaupt so nennen darf) nahe beieinander: Im offiziellen Park selbst haben wir kaum Tiere und schon gar keine Vögel gesehen; beim Kolibri-Café hingegen gab es nicht nur leckeren Kaffee und Kuchen, sondern auch massenweise Kolibris zu bewundern. Dass das Ganze durch „Anfüttern“ mit Zuckerlösungen erreicht wird und somit die Verbreitung von Krankheiten fördert und den Pollentransport durch Kollibris verhindert, haben wir ehrlicherweise erst im Rahmen einer Tour hinterher so richtig verstanden, in dem Moment haben wir einfach nicht darüber nachgedacht… das nächste Mal sind wir sensibilisiert.
Lustig war, dass wir in Monteverde im teuren Reservat nach bunten Vögeln Ausschau hielten (erfolglos), auf dem Weg zu unserem Übernachtungsplatz saß dann aber ein wunderschöner türkisfarbener Vogel (letztes Bild).
Monteverde ist eines der Hauptziele der US-Touristen. Somit gibt es dort viele Unterkünfte und leckere Restaurants und Cafés, aber leider hat der massenweise Ausbau des Dschungels mit Zipline- und Canopyanlagen dazu geführt dass die ehemalige Vielfalt an Vögeln etc. massiv zurückgegangen ist.
Auch hier liegt also Freud und Leid wieder nah beieinander. Es ist schade zu sehen wie hier „fehlgeleitete“ Touristen“späßchen“ zu Lasten der Natur gehen – sanfter Tourismus geht anders, aber die Werbeplakate zeigen schon sehr deutlich worum es hier den meisten Tourist:innen geht (oder gehen sollte).

Wir haben weder Canopy o.ä. gemacht – ehrlichweise hat uns diese Kommerzialisierung zu Lasten der Flora und Fauna in einem der wenigen letzten Nebelwaldgebiete in Costa Rica ziemlich erschreckt und auch etwas angewidert, da diese eh schon sehr begrenzten Gebiete Rückzugsorte für seltene Tier sind, u.a. z.B. den wunderschönen Quetzal (Nationalvogel Guatemala), den ich bereits seit Guatemala vergeblich versucht habe vor die Linse zu bekommen.
Wir haben statt Canopy und Co. ein anderes Highlight in Monteverde genossen, eine absolute Empfehlung für alle Costa Rica bzw. Zentralamerika-Touristen: eine Nachttour. Nachts sieht man einfach noch einmal ganz andere Tiere als tagsüber. Ein Guide ist hier dringend nötig denn so haben wir (um ehrlich zu sein: nur unser Guide – ohne ihn hätten wir wahrscheinlich gar nichts gesehen) zum ersten Mal ein Faultier bis hin zu unzähligen Insekten und einem Gürteltier, sowie unsere ersten giftigen Schlangen gesehen und Ich als Slytherin freute mich natürlich besonders. 😂🐍











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