Nicaraguas Süden – Isla Ometepe und Beachlife an der Pazifikküste

Auf dem Weg zur Pazifikküste Nicaraguas (unserer nächsten Station) hieß es noch Halt machen für die Besichtigung einer Kaffeefarm am Vulkan Mombacho. Die Plantage von Café des Flores an den Hängen des Vulkans ist eine der wenigen Kaffeefarmen, die sowohl Bio als auch von der Rainforest Alliance zertifiziert sind. Obwohl die Erntesaison noch nicht begonnen hat – wir waren 2-3 Wochen zu früh – konnten wir grüne, gelbe und rote Kaffeebeeren sehen, und die nächsten Schritte zumindest theoretisch nachverfolgen. Spannend war, dass man für das Rainforest-Siegel nicht nur auf sämtliche Pestizide etc. verzichten muss, sondern auch dass die Kaffeebohnen nicht durch Maschinen getrocknet werden dürfen, die durch Holzfeuer angetrieben werden – schließlich soll der Regenwald nicht einseitig, sondern ganzheitlich geschützt werden. Die Bohnen werden in der Sonne getrocknet und dazu fortwährend manuell gewendet, was deutlich länger dauert und sich daher auf den Preis niederschlägt. Sehr spannend und lehrreich für Kaffeenerds. Schön war auch, wie artenreich so eine Biofarm sein kann. Weil keine Pestizide verwendet werden, tummeln sich hier Frösche, Schmetterlinge, Faultiere, etc.. Wenn es sich irgendwie ausgeht wollen wir in 5-6 Wochen z.B. in Panama noch eine Plantage während der Ernte besuchen.

Als Basislager für die Erkundung der Pazifikküste haben wir San Juan del Sur ausgesucht und ein ziemlich stylish/hippes Hostel namens ‚the Space‘. Was wir nicht auf dem Schirm hatten war, dass unsere Unterkunft am wöchentlich stattfindenden „Sunday Funday“ teilnimmt, der wohl größten Party in Nicaragua (manche sagen sogar in Zentralamerika).

Die Teilnehmer (typischerweise internationale Backpacker) werden mit ehemaligen Schulbusen zu vier unterschiedlichen Locations gekarrt, wo für jeweils 3h eine Tanzfläche, Pool, DJ und günstige Drinks an der Bar warten. Unser Hostel war 17.30-20.30 Uhr Station #2. Das Ganze war lustig anzuschauen, (für ungefähr ein Bier). 😆

Am nächsten Tag haben wir Isla Ometepe, die größte, aus zwei Vulkanen bestehende Insel des Nicaragua-Sees unternommen. Dort haben wir u.A. die Charco Verde Lagune umwandert und eine Schmetterlingsfarm besucht. Ein schöner und entspannter Tag; ein Ometepe-Besuch sollte definitiv zum Standardprogramm jeder Nicaragua-Reise gehören. Es ist auch sicher schön 2-3 volle Tage auf Ometepe zu verbringen und dann Zeit zu haben mindestens einen Vulkan zu besteigen und/oder die Tageswanderung zu den Wasserfällen zu machen. Da wir doch mittlerweile sehr viel gesehen haben, war es zwar wunderschön, doch von der Flora und Fauna sehr ähnlich der bisherigen Natur.

Nicaraguas Pazifiküste ist auch bekannt für feine Sandstrände und hervorragende Surfwellen. Wir genossen das Beachlife und waren endlich mal wieder auf dem Brett. 🏄‍♂️ 🏄‍♀️ Da unser Surfkurs in Portugal leider schon 10 Jahre her ist, haben wir uns für 2h einen Surflehrer gegönnt. Die Wellen am El Remanzo Beach waren perfekt für Wieder-Einsteiger, und tatsächlich hat es funktioniert und wir konnten die ein oder andere Welle reiten.

Am letzten Nicaragua-Tag haben wir die schönsten Pazifikstrände Nicaraguas (laut Lonely Planet und Reise KnowHow) besucht, Playa El Coco und Playa Maderas.

Eigentlich wollten wir abends/nachts noch Schildkröten 🐢 bei der Eiablage beobachten, aber obwohl September/Oktober eigentlich der ideale Zeitpunkt sein soll, wurde uns von der Rangerin beim Nationalpark Refugio de Vida Silvestre La Flor gesagt dass die Schildkröten erst wieder in ~21 Tagen erwartet werden. 😓 Sehr schade, aber wir haben die Zeit genutzt um noch zur Christusstatue von San Juan del Sur hoch zu fahren und die Ausblicke auf San Juan del Sur und die umgebenden Strände zu genießen.

Alles in allem ein schöner und gebührender Abschluss für Nicaragua, ein Land das sich peu-a-peu einen immer größeren Platz in unserem Traveller-Herzen erobert hat.
Wir haben die Zeit sehr genossen, und man kann sicher noch deutlich mehr Zeit in diesem Land verbringen. Nicaragua ist sicher und günstig, was es zu einem idealen Studi-Backpacker-Zentralamerika-Einsteiger Land macht. Wir haben uns absichtlich nicht alles angeschaut, weil wir für die kommenden Zwei (Costa Rica und Panama) noch ein paar zentralamerikanische Besonderheiten aufsparen wollten (und es doch häufig Ähnliches zu sehen gibt).

Nicaragua war wunderschön – bis auf den Grenzübergang. Die Einreise gestaltete sich schwieriger als in alle anderen Länder, und es war sehr nervig wie penibel dieses Land uns überprüfte obwohl laut Angaben für uns keine Vorab-Anmeldung nötig war. Das Regime in Nicaragua ist sehr oppressiv und überprüft deswegen jeden Reisenden genau, damit man kein schlechtes Wort über die Politik des Landes verliert. Dies war dann aber auch der einzige Wermutstropfen; uns hat es ansonsten hervorragend in Nicaragua gefallen: die Menschen waren unglaublich freundlich und hilfsbereit, die Infrastruktur hervorragend.
Bei der Überlegung für die drei Highlights, fiel auf, dass es wirklich schwer ist, ein drittes Highlight auszuwählen, weil es so viele kleine wundervolle Dinge und Erlebnisse in Nicaragua gab. Nicaragua hat gezeigt, dass Highlights manchmal nichts Großes sein müssen, sondern das Gefühl das sich bei vielen kleinen positiven Momenten einstellt: sei es ein genialer Mokkacino am Morgen, mal wieder eine Welle zu reiten, der Rotaugenfrosch auf einer Kaffeefarm oder der Blick auf die zwei Vulkane der Isla Ometepe, oder 1.000 weitere kleine Dinge, die Nicaragua auf dieser Reise zu so etwas wie dem heimlichen Star Zentralamerikas gemacht haben.


Highlights in Nicaragua

Vulcano-Boarden am Cerro Negro bei León
Glühende Lava im aktiven Vulkan Masaya bei Granada
Die kleinen Freuden des Lebens

Unser Routenverlauf

Wir waren 12 Tage in Nicaragua unterwegs, und haben dabei 1.016 km zurückgelegt – geplant waren 1.000 km in 16 Tagen. Die größte Änderung ist, dass wir uns den Vulkan Cosiguina im äußersten Westen ‚geschenkt‘ haben, weil das Hinkommen mühsam ist, und sehr ähnlich zu den Vulkanen in El Salvador und Costa Rica.


Mehr zu T5raumreise

2022 ging es wieder los – diesmal von Kanada bis Panama – 44.000 Kilometer auf dem nordamerikanischen Kontinent, unterwegs mit einem (selbst) ausgebauten T5 Bulli, den meine bessere Hälfte und ich, von Deutschland verschifften.