Abstecher zu den Ruinen von Copan (Honduras)

Da Honduras von der Sicherheitslage ‚eher schwierig‘ ist, wollten wir die Zeit in Honduras auf ein Minimum beschränken; ohne aber auf ein Highlight zu verzichten. Das UNESCO Weltkulturerbe die Maya Ruinen von Copan Ruinas gehört definitiv zu den Dingen die man gesehen haben muss, und liegt außerdem im Grenzgebiet zu Guatemala, was es zu einem idealen Zwischenziel aus Guatemala heraus macht. Wir fuhren also von Rio Dulce zum gleichnamigen Ort in Honduras.

Eigentlich hatten wir an der Grenze mit einem beschleunigten Verfahren gerechnet, weil wir nur nach Copan wollten (‚Solo Copan‘ hat früher alles vereinfacht/beschleunigt), und weil Honduras & Guatemala Beide zum CA4 Staatenbündnis gehören. Aber falsch gedacht: In Honduras mussten wir seit USA das erste Mal unsere Fingerabdrücke abgeben und Fotos machen lassen. Das Pausieren des temporären Autoimports am Guatemala-Schalter gestaltete sich noch relativ einfach. Die temporäre Einfuhr nach Honduras war schon aufwändiger: Nicht nur dass man dauernd massenweise Kopien von Ausweispapieren (natürlich immer inklusive der gerade erhaltenen Stempeln – so dass man das nie vollständig vorbereiten kann), Führer- und Fahrzeugschein etc. vorlegen muss. Nein, man muss auch noch 40€ Importgebühr bezahlen. Das geht natürlich aber nicht einfach beim Zollbeamten… nein, man muss nochmal zu dem Kopier-Menschen, der eine Online-Überweisung macht, und einem das bestätigt. Damit geht’s dann ein weiteres Mal zum Zoll auf der anderen Straßenseite. Nach einem persönlichen Kurzchecks des Autos ist es endlich geschafft; nach 2h und insgesamt 48€ waren wir in Honduras.

Am nächsten Morgen sind wir aus dem Städtchen Ruinas des Copan zu den gleichnamigen Ruinen gelaufen, und haben uns dort für 2h einen lokalen Guide genommen. Er ist Maya-Nachkomme und Archäologe, konnte uns die Petroglyphen interpretieren, und war selbst 10 Jahre lang an den Ausgrabungen in Copan beteiligt – was tatsächlich sehr spannend war, vor allem weil zum Einen die Fresken in Copan erstaunlich gut erhalten sind (teilweise lassen sich sogar die Originalfarben Rot und Weiß noch erkennen), und zum Anderen dort aktive Ausgrabungen gemacht werden. So konnten wir nicht nur in zwei Tunnel der Ruinen schauen, sondern auch den Arbeitern bei Ausgrabungen und Restaurierungen zuschauen, während er uns von der Sisyphos-Arbeit bei Ausgrabungen erzählte. Unter den Ruinen liegen teilweise bis zu fünf verschiedene Tempel aus unterschiedlichen Epochen die in diesen langen Gängen untersucht werden können. Das große Highlight hier ist vor allem die Petroglyphen Treppe, die die Geschichte von Copan, seinen Herrschern und Kriegen erzählte. Diese Petroglyphen sind eine Seltenheit, da die meisten Maya, Steine nicht als Mitteilungs- bzw. Langzeitarchiv-Instrument nutzten. Trotzdem weiß man über Copan nicht so viel wie man denken sollte, denn die ersten Entdecker setzten die Treppe ohne Hilfe der Maya wieder zusammen, nur auf Basis der Position der gefundenen Steine. Hier verdeutlichte er uns nochmal wieder wie wichtig es ist, einheimische indigene Bevölkerung an solchen Ausgrabungen zu beteiligen, denn jetzt ist nur Kauderwelsch zu lesen ab Stufe 15 (die Stufen darunter waren noch intakt und in der richtigen Reihenfolge).

Es war eine tolle und auch ehrliche Führung – bei der er uns auch auf den Aspekt der Balance zwischen Ausgrabungen und Naturschutz hinwies, denn z.B. auf einer der Ruinen wächst ein 700 Jahre alter Baum, würde man fortsetzen, würde man den Baum töten. Copan war sehr spannend, da hier wirklich aktiv gearbeitet wird und noch mehr der Statuen/Stelen vorhanden waren im Vergleich mit einigen anderen Ruinen, wo zur Zeit der Kolonialisierung die schönsten Stücke häufig von ausländischen Archäologen mitgenommen wurden, und nun in irgendwelchen Museen in Nordamerika oder Europa stehen und auf ihre Rückgabe hoffen.

Die Highlights neben den Ruinen selbst waren die hellroten Aras, die überall auf dem Gelände umher fliegen. Grund dafür ist, dass man sich dort dem Schutz der Aras ganz besonders verschrieben hat, der auch der Nationalvogel Honduras ist, und die vom Aussterben bedrohten Vögel zweimal am Tag mit Bananen und anderen Früchten gefüttert werden. Es gibt geschätzt nur noch 1.500 Tiere auf der Welt, und sage und schreibe ein Drittel dieser 1.500 hellroten Aras lebt in dieser Region Honduras und erhält besonderen Schutz. Ein tolles Erlebnis wenn Schwärme von Papageien über den eigenen Kopf rauschen und sich bunt und vor allem lautstark in die Lüfte erheben.

Nicht nur die Mayastätte inkl der tollen Aras war schön, sondern auch das gleichnamige Städtchen war äußerst putzig.

Abends haben wir im Lokal eines deutschen Auswanderers (aus Neu-Ullm), der seit 15 Jahren mit seiner honduranischen Frau hier lebt und mit deutschen Maschinen und Zutaten (alles wird aus Deutschland importiert bis auf das Wasser) vorzügliches deutsches Bier braut und Käsespätzle und Schnitzel serviert. Wir haben Schwarzbier und Hefeweizen getrunken und Käsespätzle mit Schnitzel gegessen – ein Stückchen Zuhause, das einfach nur gut getan (und geschmeckt) hat.

Und Sticker haben wir auch geschenkt bekommen, die direkt auf unseren treuen Bus geklebt werden. Wir unterhielten uns über Reisen, die Lage in Honduras und das Leben in Copan mit dem Sohn des Besitzers (der in Deutschland aufgewachsen war). Honduras ist ein wunderschönes Land, mit vielen Problemen. Er selbst, obwohl Honduraner, war im eigenen Land weniger gereist als in den Nachbarländern. In Copan Ruinas lässt es sich durch die Nähe zu Guatemala wunderschön zu leben. Hier gibt es keine Probleme mit Schutzgelderpressung der Banden o.ä. und dafür viele Touristen, was für erhöhte Sicherheitskräftepräsenz sorgt, die auch gut für die Bevölkerung ist, da sie Banden abschreckt. Die gefühlte Sicherheit in und um Copan Ruinas ist sehr hoch, und man hat aktiv gemerkt wie sehr sich die Hondurianer über Tourist:innen gefreut haben. Sprich, wir würden den Abstecher definitiv empfehlen.

Am nächsten Tag ging es für uns zurück nach Guatemala, mit großem Schock – hoffentlich nur ein SchockMOMENT: Anfangs gestaltete sich der Grenzübergang noch sehr positiv, als wir an 5 Busladungen voller Menschen vorbeigeschleust wurden. So richtig verstanden haben wir die Sonderhandlung nicht, aber gefreut haben wir uns trotzdem. Die Aus- und Einreise für uns ‚Menschen‘ ging wieder relativ schnell und unkompliziert. Als wir der honduranischen Zollbeamtin erklärt haben dass wir jetzt aus Honduras nach Guatemala ausreisen, aber später über El Salvador wieder einreisen um durch Honduras durch nach Nicaragua zu reisen, meinte die „Das geht nicht, man kann innerhalb von 90 Tagen nur einmal nach Honduras einreisen – und das hätten wir vorgestern ja schon gemacht.“ Innerhalb von 90 Tagen ein zweites Mal mit dem Auto durch Honduras zu fahren wäre nur möglich wenn man die CA4-Staaten verlässt. Sprich, wir müssten aus Guatemala nochmal nach Mexiko oder Belize, und erst dann können wir wieder durch Honduras durch; was wir aber müssen, weil Honduras zwangsläufig auf dem Weg nach Nicaragua liegt. Großer Schock und Sprachlosigkeit auf unserer Seite. Nach fünfmaligem Nachfragen und Darstellen unserer Situationen, und dem Gespräch mit sechs unterschiedlichen Leuten, wurde uns irgendwann gesagt dass die vorherige Aussage falsch gewesen wäre. Neue Aussage war/ist die, dass man auch ein zweites Mal mit dem Auto durch Honduras fahren kann, wenn zwischen den beiden Hondurasbesuchen mindestens 72h liegen; was bei uns der Fall wäre (~7 weitere Tage in Guatemala + 3-4 Tage El Salvador). Daumen drücken dass die Aussage dieses Mal stimmt – sie würde sich zumindest mit Online-Recherchen decken, wir sind nun trotzdem etwas nervös was die Weiterreise angeht.
Trotzdem war der Abstecher die Mühe auf jeden Fall wert, obwohl wir allerdings beim nächsten Mal das Auto in Guatemala stehen lassen würden und von der Grenze aus mit Bus oder Tuktuk die letzten 12 km nach Copan zu fahren um uns den ganzen Ärger, Aufwand und Kosten an der Grenze zu sparen. Aber auch das ist wieder Teil des Erlebnispakets was eine Reise wie diese von einem Pauschalurlaub unterscheidet. 😉


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2022 ging es wieder los – diesmal von Kanada bis Panama – 44.000 Kilometer auf dem nordamerikanischen Kontinent, unterwegs mit einem (selbst) ausgebauten T5 Bulli, den meine bessere Hälfte und ich, von Deutschland verschifften.


Kommentare

Eine Antwort zu „Abstecher zu den Ruinen von Copan (Honduras)”.

  1. […] wir Sorge den TIP (temporäre Importerlaubnis) für unseren T5 zu bekommen. Hintergründe dazu im Copan Ruinas Beitrag. Tatsächlich gestaltete sich das dankenswerterweise problemlos – wenn auch 48€ für gerade […]

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