Hola Guatemala – Hola Centroamérica

Triggerwarnung: Für die Arachnophobiker:innen unter den Lesenden, dieser Beitrag enthält Spinnnen.🕷️😅

Vor unserem Grenzübergang nach Guatemala haben wir uns natürlich wieder eingelesen. Auch hier benötigt man einen TIP (Temporary Import Permit) für das Auto – wir bekommen 90 Tage insgesamt ohne Visum in allen CA4 (Centroamérica) Staaten (Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua). Wir hofften also nach Guatemala auf einfachere Grenzübertritte. Natürlich waren wir nervös. Mein Spanisch ist nur noch sehr ärmlich funktionsfähig, wie inzwischen festgestellt, aber vor allem wegen der Horrorgeschichten über Express-Kidnapping und Carhijacking bei u.a. Trip Advisor… „bloß nicht viel selbst fahren, alles geführt machen, bei Dunkelheit in der Unterkunft“. Wir schrieben (zumindest teilweise) die Warnungen schon bei unserer ersten Station in den Wind, und haben es nicht bereut. Aber nun erstmal zum Grenzübergang: Man zahlt eine 40€ Ausreisegebühr in Belize (die teilweise dem Umweltschutz zugute kommt; tolles Konzept wie ich finde, denn keiner kann diese Kosten als Tourist:in abschlagen).

Dann geht es nach Guatemala erstmal durch so eine Art Waschanlage die das Auto desinfiziert (gegen Pflichtgebühr) um das Einschleppen von Fremdorganismen zu verhindern. Um danach durch Migration und SAT/Aduana (Zoll & Verkehrsbehörde) zu „laufen“. Und schon an der Grenze muss man sagen, hat sich jedes negative Klischee (auch das ein oder andere der Belizaner:innen) über Guatemaltek:innen nicht bestätigt.

An der Grenze steht direkt die INGUAT – die guatemaltekische Tourismusbehörde – und begleitet einen zweisprachig durch den Papierkrieg. Die Grenzbeamt:innen sind tiefenentspannt und da wir vergessen hatten Kopien von unseren KFZ-Unterlagen (hier ist noch alles in Papier nötig; eigentlich wussten wir das, aber manchmal steht man auf dem Schlauch) wurden diese uns umsonst gemacht (auch gerne ein häufig zitiertes Vorkommnis; die horrenden Kopiergebühren, wir können das nicht bestätigen). Einzig „seltsamer“ Prozess ist, dass man die Gebühr für die Automitnahme nicht an der Grenze entrichten kann, sondern entweder mit einem Taxi oder zu Fuß (das Auto muss an der Grenze bleiben) zu einer Bank fahren muss.

Doch die Guatemaltek:innen sind nicht ohne Geschäftssinn, denn an der Grenze gibt es eine Dame die gegen Gebühr (5€) das Prozedere online für Einen übernimmt, ohne Warteschlangen oder Hin-und-Her-Gekurve. Diesen Service gönnten wir uns gerne 😁. Gesagt, getan – wir haben dann einen Aufkleber für unsere Windschutzscheibe bekommen, und größere Kontrollen bei der Einreise gab es auch nicht (nicht mal in den Bus schauen wollte jemand), Alle sehr nett, freundlich und unaufdringlich. Man merkt schon hier, dieses Land bemüht sich sehr um Reisende und dem teilweise schlechten Ruf der letzten Jahre zu entkommen.

Erste Station für uns hinter der Grenze ist die Stadt Flores. Ein süßes Städtchen mit bunten kolonialen Häuschen im Zentrum und außenherum die typische Infrastruktur einer grenznahen Kleinstadt, Hier nun auch wieder mit allen großen amerikanischen Ketten die man sich vorstellen kann – nach zwei Wochen Belize, waren wir also zurück im bekannten „Kommerz“. Die vorgelagerte Halbinsel durchläuft man ziemlich zügig in 60 Minuten. Wir hatten das Glück, dass zu unserer Ankunft ein kleines Fest stattfand, in dem alle Restaurants der Stadt sich vorstellten und man überall kleine Speisen für wenig Geld kaufen kann (wir bezahlten für mit Fleisch gefüllte Tortillas umgerechnet weniger als 1€ pro Stück). Allerdings muss ich leider sagen (wir probierten an den unterschiedlichen Ständen) für mich schmeckt es leider trotzdem alles gleich. Ich mag Maistortillas einfach nicht 🙊. Trotzdem war es sehr schön und authentisch – das Treiben in Flores.

Eine kleine Geschichte am Rande – wir hatten in Kanada ja mal von dem Thema der schlechten Spritqualität ab Zentralamerika geschrieben. Nun ja, wir mussten in Flores ungefähr 5 Tankstellen abklappern; eindringliche Google-Recherche vorab sagte uns nämlich, dass es ULSD in Guatemala gibt (und es hier „ultra bajo de azufre“ heißt), allerdings konnten mit dem Begriff die meisten Tankwarte nichts anfangen. Nach endlosen Suchen fanden wir eine Tankstelle die es hatte (und auch endlich mal hinschrieb!). Wie wir später herausfanden, haben es auch noch mehr Ketten im Angebot, nur versteckt hinter irgendwelchen komischen Namen wie „Diesel Dynamax, ION Diesel“ etc. Das erinnerte mich doch auch etwas an mein Arbeitsleben und der häufige Wunsch den eigenen Produkten gerne irgendwelche „coolen“ Markennamen zu geben, möglichst kreativ und hip, und am Ende weiß keine Kund:in was dahintersteckt 🙊😆.

Am nächsten Tag ging es zu einer der legendärsten Mayastätten in Guatemala – Tikal. Die hohen Pyramiden im gleichnamigen Nationalpark sind eines der Highlights auf jeder Guatemala-Reise. Ursprünglich wollten wir es geführt machen, da es immer wieder Geschichten gab von Überfälle auf Tourist:innen im Nationalpark, da dieser sehr weitläufig und teils abgeschieden ist. Bei den horrenden Preisen entschieden wir uns dann aber doch dagegen, auch weil wir damit rechneten, dass ziemlich viel los sein würde. Warum? Es war Sonntag – und an diesem Tag haben alle Guatemaltek:innen freien Eintritt in Nationalparks, historische Denkmäler etc. Daher hieß es, auf nach Tikal. Die Fahrt dauerte ca. 1,5h (obwohl die Distanz nicht weit ist) denn einmal sind die Straßen nicht gerade die Besten, und um im Nationalpark die Fauna zu schützen wird die Geschwindigkeit überprüft und man darf nicht schneller als 45km/h fahren. Wie die Guatemaltek:innen das überprüfen? Sehr clever und kostengünstig wie wir fanden: Am Eingang des Parks steht jemand und schreibt penibel genau die Uhrzeit der Einfahrt auf dein Ticket und am Parkplatz zur Mayastätte wird das Ticket mit Uhrzeit kontrolliert und ausgerechnet wie schnell man gefahren ist. Tikal selbst war eine Wucht, die Pyramiden im Dschungel die unzähligen Nasenbären die über das Gelände streifen, und vor allem die fantastische Aussicht von den Pyramiden. Im Vergleich zu anderen Mayastätten sind hier Holztreppen aufgebaut um die Pyramiden zu schützen vor den Menschenmassen die hier hoch“trampeln“. Eine gute Idee, wenn man bedenkt wie viele Menschen hier jeden Tag rauf und runter laufen. Spannend ist auch, wie viel in Tikal noch nicht ausgegraben ist, und Schilder zu sehen (von Bodenradaraufnahmen) die einem Simulationen zeigen, wie es unter den „unscheinbaren“ Erdhügeln wohl aussehen muss. Wie viele dieser versunkenen Ruinen noch im Dschungel Zentralamerikas schlummern ist schwer zu sagen. Eine schöne Vorstellung und spannend zugleich, denn man sieht es einfach nicht. Für das ungeübte Auge (also unseres) ist es einfach nur ein Hügel.

Wir haben uns wirklich zu keiner Zeit im Park unsicher (aber vor allem nicht alleine gefühlt 😆). Es war viel los und auch auf den Straßen ging es so rege zu, dass man sich wirklich kaum Gedanken machen muss tagsüber.

Etwas haben wir hier auch zum ersten Mal gesehen. Die Einheimischen haben es als Geschäftsmodell entwickelt, die Schlaglöcher selbst zu stopfen. Wer möchte hält an, und gibt einen kleinen Beitrag. Nachdem wir einige Einheimische gesehen haben, die Trinkgeld gaben, taten wir es ihnen gleich. Auch wenn die Dame hier nicht die Schnellste war (im Grunde war sie nur ein Schlagloch in einem Tag weitergekommen), eine sehr gute Idee, die der Gemeinschaft hilft. Top – die Guatemaltek:innen 👍, so einfach aber effektiv.

Nach unserer Tikal-Tour ging es weiter nach Rio Dulce. Ein Ort am gleichnamigen Fluss, der als Knotenpunkt große Bedeutung hat, aber auch wegen seines Dschungels im Hinterland; und als Abstellhafen für Yachten. Rio Dulce ist nämlich über den Fluss von der Karibik aus anfahrbar und gilt somit als der sicherste Liegeplatz für Yachten während der Hurrikansaison in der Karibik. Und so kommt es, dass sich hier in den Häfen sehr viel englischsprachige gut-betuchtes Klientel auf seinen Booten tummelt. Für uns war Rio Dulce auch ein Zwischenstopp auf unserer Reise Richtung Copan Ruinas (Honduras). Wir nächtigten direkt im Dschungel in Hüten am Wasser mit angeschlossenem Baumwipfelpfad zum Aussichtspunkt über Rio Dulce. Im Wasser leben Krokodile (wir haben leider keine gesehen), aber es kommt echtes Dschungelfeeling (mit ein klein bisschen Luxus 😉) auf.

Kleiner Tipp am Rande: Nachdem ich (Kamera geht normalerweise voraus) durch das fünfte Spinnennetz im Baumwipfelpfad gelaufen bin (und völlig panisch meine langen Haare hinterher nach Spinnen durchsucht habe), fiel die ehrenvolle Aufgabe an meine bessere Hälfte, voranzugehen und mit einem Stock zu wedeln, dass die „Luft“ rein wahr.^^

Und hier möchte ich auch nochmal auf meinen Post aus San Antonio mit dem Absatz zum Thema: „Umräumaktion in geschlossene Taschen wegen Krabbeltieren“ zurückkommen… denn wenn so eine Spinne in der Dschungelhütte sitzt (glücklicherweise nicht in unserer!), ist man sehr dankbar für geschlossene Taschen.🙈😱

Nach etwas Recherche tippe ich übrigens auf eine Art der Gattung Bananenspinne (falls sich jemand wirklich auskennt, bitte Bescheid geben ob das stimmt). Die Bananen(oder Wander)spinne ist neben der schwarzen Witwe, eine der giftigsten und tödlichsten Spinnen der Welt… 😳


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2022 ging es wieder los – diesmal von Kanada bis Panama – 44.000 Kilometer auf dem nordamerikanischen Kontinent, unterwegs mit einem (selbst) ausgebauten T5 Bulli, den meine bessere Hälfte und ich, von Deutschland verschifften.