„Welcome buddies to Belize“ – von Orange Walk nach Belize City

Belize hat sich von der ersten Minute an einfach nur gut angefühlt. Schon ein paar Meter vor der Grenze hat uns ein Grenzbeamter (wieder auf Englisch, und im entspannten Poloshirt – im Gegensatz zu den streng-schauenden Grenzmilitärs auf mexikanischer Seite) im Slang mit „Welcome Buddies“ begrüßt, und sich freundlich erkundigt woher denn das Auto kommt. Als klar war, dass dies unser deutsches Auto ist mit dem wir durch Belize reisen, hat er uns gebeten hier zu parken, hat uns das gesamte Prozedere der Einreise erklärt und uns dann gebeten nach innen zur „Rezeption“ zu gehen. Dort ging es weiter… wir wurden sehr freundlich begrüßt, und uns wurde nicht nur nochmal entspannt das Grenzprozedere erklärt, sondern man hat uns auch einen Belize-Reiseführer und eine Karte geschenkt, sowie uns mit Tipps versorgt was man in der geplanten Zeit unternehmen könne. Alleine das Gespräch war so geprägt von Tiefenentspannung, dass sogar der Grenzübergang ein positives Erlebnis war. Wir hatten schon fast das Gefühl wieder in Kanada zu sein. 😉 50m hinter der Grenze für 46€ schnell eine Kfz-Versicherung für zwei Wochen abgeschlossen, und los gings. Lustige Seitengeschichte: Als wir im Zwischengebiet zwischen Mexiko und Belize zur Reifendesinfektion angehalten haben, wurde die zwar ordentlich bezahlt (13€) und bescheinigt, aber nicht durchgeführt, weil „It did rain quite a bit; so it’s not necessary.“; also auch hier wird alles sehr entspannt genommen. 🤭

Erste Station war Orange Walk, Belizes drittgrößte Stadt (aber immernoch ein Nest), Ausgangspunkt für Touren nach Lamanai, einer Mayastätte die sehr schön im Dschungel liegt und mit einer malerischen Bootsfahrt angesteuert wird. In Orange Walk nächtigten wir in einem sehr netten Hostel. Wir wollten feste Unterkünfte an den Tagen des Grenzübergangs haben, damit wir feste Anlaufstellen haben, falls das Prozedere zu lange dauert. Allerdings entschieden wir uns in den ersten Tagen in Belize auch dazu, weiterhin in Unterkünften zu schlafen. Die Regenzeit mit einhergehender Luftfeuchtigkeit ist brutal. Ohne sich zu bewegen schwitzt man so extrem, wie wir es bisher noch nie erlebt hatte, trotz unserer ganzen Reisen. Ursprünglich sollte die Tour nach Lamanai an unserem zweiten Belize-Tag starten, aber in der ersten Nacht wurde Belize (und Teile Mexikos) von einem Tropensturm heimgesucht. Es hat 16h am Stück geregnet wie aus Eimern; ohne Unterlass. Klar sind wir in der Regenzeit hier, aber so intensive Regenfälle hatten auch die Einheimischen selten erlebt, es gab Überschwemmungen im ganzen Land. Dadurch konnte unsere Tour nicht wie geplant stattfinden, und wir haben eine Nacht verlängert und gehofft, dass es sich nicht zu einem Zyklon ausweitet, und möglichst zügig nach Mexiko weiterzieht. Wir haben diesen Tag Pause dazu genutzt eine neue Versorgungsbatterie für unseren T5 zu besorgen – leider hat sich nämlich bei den letzten mehrstündigen Stopps gezeigt, dass unsere Versorgungsbatterie die Spannung nicht mehr halten kann wenn der Motor nicht läuft; was dazu führt dass die Kühlbox ihren Dienst einstellt 😦. Leider ist die Verbreitung von AGM-Batterien hier eher „eingeschränkt“; deshalb haben wir uns mit einer Deep Cycle Gelbatterie beholfen (inkl. Anpassung der verbauten Elektrik), und hoffen dass diese mindestens für die restliche Reisezeit ihren Dienst tut. Daumen drücken 🤞! Ein Highlight waren hier definitiv die netten Mitarbeiter in dem Autozubehörladen, die uns geduldig und nett insgesamt 3 verschiedene Batterien haben einbauen lassen, um herauszufinden welche unter unseren Sitz passt. Schonmal ein sehr schönes Erlebnis – Danke Belize 😀.

Nach dem der Sturm durchgezogen war hatten wir Glück. Die Sonne schien am Tag unserer Lamanai Tour strahlend vom Himmel und einem schönen Tag stand nichts mehr im Wege. Der Name Lamanai bedeutet in der Maya-Sprache so viel wie „untergetauchtes Krokodil“. Mit einer Besiedelungsdauer von ca. 3000 Jahren gehört sie zu den am längsten kontinuierlich besiedelten Mayastädten. Unsere Tour dorthin startete mit einer 1,5 stündigen Bootsfahrt entlang des New Rivers – tolles Erlebnis, weil wir dort Leguane auf Bäumen sahen und kleine Fledermäuse (findet ihr sie?). Vorbei ging es auch an mennonitischen Dörfern (es gibt einen großen Anteil an Mennonit:innen in der Bevölkerung von Belize; sie sind als Farmer und Handwerker gern gesehen), Mangrovenwäldern und Palmenhainen.

Lamanai war ein magischer Ort – wir waren mit unserer Gruppe fast die einzigen Gäste auf dem Areal welches mit verschiedenen Blumen (die schwarze Orchidee ist Belizes Nationalblume) und Tieren (und natürlich sehr schönen Mayatempeln) aufwartete. Von kleinen Fröschen auf der Erde (und verschiedensten Ameisenarten), bis hin zu einem Nasenbär der über die Pyramiden kraxelte, während uns Brüllaffen lautstark und neugierig durch Palmenblätter beäugten… Es hatte sich gelohnt auf diese Tour zu warten.

Nach dieser Tour ging es dann Richtung Belize City wo uns das Wassertaxi auf die nördlichen Cayes bringen sollte. Ein Highlight auf dem Weg nach Belize-City war der Belize Zoo. Dort werden keine Tiere aus anderen Teilen der Welt „importiert“, sondern einheimische Tiere gehalten, die entweder verletzt, als Baby-Waisen gefunden wurden (weil ihre Eltern illegal gejagt wurden), oder Problemtiere z.B. die auf Farmen jagen. Unter Anderem kann man dort Tapire, Jaguare, Pumas, Ozelote, Spinnen-Affen, … aus nächster Nähe beobachten. Der Zoo ist mehr ein Wildtier Schutzgebiet, welcher sich auch aktiv der Aufklärung der lokalen Bevölkerung zu einheimischen Tieren bemüht – definitiv sehr sehenswert, auch weil im dichten Dschungel die Wahrscheinlichkeit von z.B. Jaguarsichtungen sehr gering ist. Interessanterweise sind die Gehege nur für die „Großtiere“ wirklich dicht, kleinere Tiere wie Echsen oder Nagetiere laufen einfach frei zwischen den Gehegen herum.

Belize City haben wir uns nicht angesehen, die Stadt hat wenig zu bieten und ist (leider wie die meisten Hauptstädte der Region Zentralamerikas) für eine hohe Gewaltkriminalität bekannt (anders als im Rest des Landes). Wir steuerten also direkt den Wassertaxianleger an (inklusive bewachtem Parkplatz für unseren Bus), um von dort aus auf das Inselparadies Caye Caulker überzusetzen – ein perfekter Ausgangspunkt für das größte Riff der nördlichen Hemisphäre und das zweitgrößte (nach dem Great Barrier Reef in Australien) der Welt.


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2022 ging es wieder los – diesmal von Kanada bis Panama – 44.000 Kilometer auf dem nordamerikanischen Kontinent, unterwegs mit einem (selbst) ausgebauten T5 Bulli, den meine bessere Hälfte und ich, von Deutschland verschifften.