Wir haben uns in San Antonio einen halben Tag Zeit genommen um uns auf Mexiko vorzubereiten. 2011 waren wir das letzte Mal dort, und klar ist, was Sicherheit angeht, hat Mexiko im vergangenen Jahrzehnt eine Abwärtskurve hingelegt, und sorgt leider immer mehr für schlechte Schlagzeilen aufgrund von Waffengebrauch, gestiegener Kriminalität und Drogenbanden. Kurzum, wir waren nicht besonders scharf darauf das Land mit dem Auto zu durchqueren, da Carhijacking und Entführungen mittlerweile auch am Tag stattfinden (ganz zu schweigen von den kleinen Abzocken an Tankstellen, Kreditkartenbetrug etc.). Besonders betroffen ist die Pazifikregion und der nördliche Teil, doch die Kriminalität ist überall hoch. Man kann das Risiko deutlich minimieren indem man nur Mautautobahn fährt und nur tagsüber. Da wir 2011 schon Yucatan und Chiapas bereist haben, war für uns klar: Mexiko werden wir schnell durchqueren. Wir nehmen touristisch mit was auf unserem Weg liegt, aber wir vermeiden größere Rundtouren. Da dies vor allem hieß viele Kilometer zu fahren, hatten wir beschlossen uns auf dem Weg Hotels statt Camping zu gönnen; das erste Mal seit Juni hieß es also wieder in richtigen Betten schlafen.
Wir hatten ausführlich vor dem Grenzübergang recherchiert. Es benötigt eine FMM-Touristenkarte. Diese haben wir Online vorab gemacht; allerdings erschreckend wie viele Phishing-Seiten es dazu gab. Keine Seite der Google Trefferliste ist seriös, sondern alles Betrugsseiten die Kreditkartendaten sammeln – da freut man sich doch schon so richtig! 😒 Die offizielle Adresse haben wir vom mexikanischen Konsulat in Deutschland. Zudem benötigt man eine Genehmigung zur temporären Einfuhr des Autos, verbunden mit 400 US$ „Pfand“ die man bei Ausreise angeblich wieder bekommt – na ob wir die jemals wieder sehen? Die Horrorgeschichten über die Banjercitos Büros (die Behörde zur Entrichtung der Gebühr) in den Grenzstädten ließen daran Zweifel aufkommen, aber es hilft Nichts, wir müssen da durch (im wahrsten Sinne des Wortes, denn an Mexiko führt kein Weg vorbei).
Die Einreise war insofern interessant, da man nach Mexiko einreisen kann ohne Grenzstempel oder irgendetwas. Man passiert nur eine Zollkontrolle und ist 10m weiter mitten in der mexikanischen Grenzstadt, ohne dass irgendwer Pass oder Autoimport gecheckt hätte – sehr seltsam. Um wirklich legal in Mexiko zu sein, muss man 3km durch das Städtchen zu einem Gebäude kurven, wo Migration und Banjercito beheimatet sind. Hätten wir uns nicht vorher informiert, wären wir also fröhlich illegal nach Mexiko eingereist, uns hätte keiner aufgehalten und wir hätten es erst bei der Ausreise festgestellt, wenn Stempel und Import-Permit fehlen. Einen Grenzübergang dieser Art hatten wir auch noch nicht. 🤨 Wegen Covid durfte nur der Eigentümer des Autos in die Räume; also musste Stefan (ohne Spanischkenntnisse) alleine ran. Es hat trotzdem alles geklappt, auch wenn die Mitarbeitenden komplett überfordert waren; sowohl mit dem deutschen Kennzeichen als auch deutschen, und selbst internationalen Fahrzeugschein. Trotz allem ging es schneller als gedacht, in einer Stunde war das gesamte Prozedere durch. Was unsere Touristenkarte anging, erhielten wir problemlos die 90 Tage Aufenthaltsdauer (auch hier gab es in der Coronazeit wohl ab und zu Schwierigkeiten). Doch die Beamtinnen bei der Banjercito wollten doch tatsächlich dass wir den Kreditkarten-PIN auf einen Zettel schreiben um das 400 US$ Pfand zu zahlen. 🙈 Als wir uns weigerten das zu tun, wurde Stefan vom Sicherheitspersonal abgetastet und durfte dann durch eine Stahltür in den Sicherheitsbereich des Banjercito, um die PIN ins Gerät einzugeben. 🙊
Dann ging es auf zu unserer ersten Station Monterrey und nun ja, dieser problemlose Start hat sich leider nicht fortgesetzt. Der Verkehr in Mexiko ist höllisch: Automassen, Trucks, kreuz und quer, keiner hält sich an Verkehrsregeln überholt wird in dem Glauben „der Andere bremst schon“. Wir fuhren leider auch noch zum Feierabendverkehr, und dann ist ein Auto einfach rüber gezogen, da wieder einmal eine Spur einfach geendet ist. Ohne Vorwarnung wurden aus 7 Spuren 4 (für die Franken: wie am Plärrer in Nürnberg, nur mit 10 mal so vielen Autos und mindestens doppelter Geschwindigkeit). Stefan musste also ausweichen, da aber hier wüst rechts und links auch auf dem Seitenstreifen überholt wird, und ein anderes Auto gerade rechts überholen wollte, haben wir das leider erwischt. Wir sind dann Beide rechts raus gefahren. Bei uns am Bus ging es (Transporterausführung ohne lackierte Stoßstange, stattdessen dankenswerterweise eine aus Plastik!) und passiert ist sowieso keinem etwas da nur Blechschaden. Leider war der Schaden am anderen Auto deutlich größer: Die Frontstoßstange hing ziemlich traurig am Auto. Ich sprang aus dem Auto, da ich im Gegensatz zu Stefan zumindest etwas des Spanischen mächtig bin (dachte ich zumindest). Da stand ich nun mit meinem „Spanisch für Angefangene, und die Hälfte schon wieder vergessen“ und Google Translate und diskutierte mit der Dame des anderen Wagens. Ich habe so viel verstanden, dass wir es nicht über Polizei machen sollten weil es nur Geld kostet, diese korrupt sind und uns Beiden Ärger bereitet (sie war sichtlich nervös). Kurz musste ich/wir den deutschen Impuls unterdrücken es mit Polizei und Versicherung zu machen und erinnerte mich an einen argentinischen Kollegen der seine Erfahrung zum Thema Polizei mal geteilt hatte, sowie die Geschichten über Polizeikorruption von Mexikaner:innen die wir getroffen haben und die uns so häufig immer wieder vor der Polizei gewarnt hatten. So entschied ich mich es ohne Polizei und Versicherung schnell auf die Hand zu regeln. Die Dame wollte 500 US$. Sie hing dann am Handy, offensichtlich mit jemandem der den Schaden einschätzen konnte. Auf 350 US$ konnte ich sie herunterhandeln; ihr Telefonpartner gab ihr anscheinend das OK. Dies wäre der EK-Preis für eine Frontstoßstange in Wagenfarbe in DE (so etwas weiß ich zufälligerweise aus eigener Erfahrung), also für mexikanische Verhältnisse definitiv überteuert. Dennoch wollten wir so schnell wie möglich aus der Situation raus. Denn auch wenn ich es nicht glaube, da der Schaden zu groß und die Situation zu unvorhersehbar war, bestand durchaus die kleine Möglichkeit dass der Unfall fingiert war.
Wir bezahlten die US-Dollar (glücklicherweise hatten wir Notgroschen im Auto versteckt) und beide Seiten düsten im Eiltempo ab. Es war jedenfalls ein ziemlich unschöner Start in Mexiko.
Da ich mir leider in San Antonio einen kleinen Sonnenstich geholt hatte, und uns in Monterrey nach dem kleinen Unfall ziemlich die Lust gefehlt hat, verzichteten wir auf eine Stadtbesichtigung, und schauten uns nur die Skyline von unserem Hotel aus an (und genossen ein wenig die Vorzüge von Amazon Prime – Downtown Abbey lässt grüßen 😀), denn auch solche Pausen müssen manchmal sein.
Die nächste Station San Luis Potosí war leider nicht mehr als eine kurze Zwischenstation zum Schlafen, weil wir den Verkehr massiv unterschätzt haben. Eine lustige Geschichte: Ein deutscher BMW-Mitarbeiter welcher deutsches Bier dabei hatte um es in Mexiko an Kollegen/Geschäftspartner zu verschenken, war so begeistert ein deutsches Kennzeichen (obwohl von der Konkurrenz 😁) zu sehen, dass er uns direkt eine Nachricht und zwei Bier hinterlassen hat. 🤟
Nach San Luis Potosí ging es zu einer Hacienda bei Querétaro – eigentlich nur wenige Kilometer (203); wir brauchten dafür leider über 7h aufgrund des extremen Verkehrsaufkommens mit Trucks ohne Ende. Auf der Hacienda haben wir vor allem unglaublich gut gegessen und die himmlischen Cocktails genossen – auch etwas Neues für uns; Chilisalz am Glasrand, sehr lecker.
Ein weiterer Stopp nahe Mexico City war Teotihuacán mit seinen mächtigen Pyramiden. Diese Kultur hatte Einfluss bis weit nach Tikal in Guatemala und Caracol in Belize und war eine beeindruckende herrschende Macht zur Blütezeit.





Wir entschieden uns gegen eine Fahrt nach Mexiko Stadt – obgleich wohl ein Highlight, aber der Verkehr reichte uns einfach und in ein Ballungsgebiet mit über 10 Mio. Menschen zu fahren, war uns einfach zu stressig. Wir entschieden uns daher für die kleine, weniger bekannte, aber wunderschöne Metropole Puebla.
In Puebla passte einfach alles. Die drittgrößte Stadt Mexikos liegt auf über 2.000 Metern. Es ist sicher, wunderschön, bunt; wir flanierten durch die Altstadt und über zig Märkte. Hier gibt es neben Kirchen und üblichen Kolonialbauten auch die älteste Bibliothek Lateinamerikas zu bestaunen. Und nun ja, unser Hotel war auch nicht schlecht. 😅
Nach wunderschönen Tagen in Puebla ging es „runter“. Über 2 Etappen verließen wir die klimatisch angenehme Hochebene, und fuhren ohne größere Besichtigungen auf die Halbinsel Yucatan. Die Landschaft veränderte sich von Kakteenfrüchten zu tropischen Früchten am Straßenrand. Wir waren nun im touristischeren (und sicheren) Teil angekommen. Dieses Mal suchten wir uns auf Yucatan aber ein Ziel etwas abseits der Haupttouristenroute aus – die Lagune der 7 Farben: Bacalar. Und es wird einem nicht zu viel versprochen. Das Farbenspiel der aneinandergereihten Zenoten die eine große Lagune bilden ist einmalig – und die Touri-Massen halten sich angenehm in Grenzen. Zeit für ein paar Posing-Bilder bei unserer Minikatamaranfahrt gab es auch. Wir ließen einfach die Seele (und die Füße auf den Schaukeln in unserer Unterkunft an der Lagune) baumeln. Ein schönes Ende für Mexiko.
Ein wirkliches Fazit von Mexiko fällt uns schwer – wir haben nicht viel angeschaut da ehrlicherweise der nördliche und zentrale Teil jetzt auch nicht so hochspannend sind; die Highlights sind nun mal im Süden und diesen hatten wir schon ausführlich bereist. Der Norden war für uns gefühlt extrem unsicher – Verkehrsaufkommen jenseits von Allem was wir auf Reisen erlebt haben, Russland war ein Picknick im Vergleich.
Zudem viel und extrem bewaffnete Sicherheitskräfte, Guarda Civil, Policia Nacional, Forca Civil und was Nicht alles… es ist einfach seltsam wenn vermummte Männer mit vollautomatischen Gewehren auf Autos stehend über die Autobahn fahren. Es fällt nicht schwer nachzuvollziehen warum uns Einheimische eindringlich gewarnt haben Kontakt mit Sicherheitskräften zu vermeiden (auch die Angst vor der Polizei der Frau in Monterrey war sehr real). Im Süden (jenseits von Mexiko City) gab es das nicht mehr, obwohl Abschreckungspappaufsteller überall präsent waren (dann doch eher mit lustigem Charakter).
Der Mexiko-Peace Index bestätigt unser Gefühl zu den unterschiedlichen Sicherheitslagen im Land auch. Wir haben selbst (bis auf den Unfall) keine negativen Erfahrungen gemacht – ob Glück, Zufall oder gute Planung ist schwer zu sagen. Dennoch waren wir angespannt unterwegs, und irgendwie war Mexiko nicht gerade unkompliziert. Die Autoeinfuhr war ein Papierkrieg, für die Touristenkarte wollten die Grenzbeamten uns bei der Ausreise doppelt berechnen, die Mahnungen Einheimischer wir sollen bloß vorsichtig sein (ich soll meinen Schmuck abnehmen, meinte jmd.: Frage an die aufmerksamen Leser – wisst ihr von welchem Schmuck er redete, ich nicht…). All das machte Mexiko irgendwie „sperrig“.
Wir verlassen Mexiko daher mit sehr gemischten Gefühlen. Im Nachhinein hätten wir unterwegs im Süden wahrscheinlich mehr machen können, aber es verging uns doch schnell die Lust, wenn man vorher jede Straße die man fährt überprüfen muss (hätten gerne Palenque bis San Cristobal gefahren, aber just auf dieser Straße werden regelmäßig Tourist:innen abgepasst und überfallen). Gefallen hat uns Puebla, hier hat einfach alles gepasst, das Essen per se (wir haben im ganzen Land hervorragend gegessen!) und die Lagune der 7 Farben.
Meine Highlights in Mexiko



Routenverlauf

Wir sind in Mexiko 2.820 km in 8 Tagen gefahren – geplant waren 2.600 km in 10 Tagen. Die größte Änderung ist, dass wir von Mexiko nach Belize weiterreisen, anstatt wie ursprünglich geplant Belize aus Guatemala heraus zu machen (zum Zeitpunkt unserer Planung im Mai, hatte Belize die Landgrenzen zu Mexiko noch Covid-bedingt geschlossen). Diese Planänderung spart uns einen Grenzübergang und ca. 1.000 km in Guatemala.
Wir sind sehr dankbar für die schönen Erfahrungen in Mexiko und dass wir gut durchgekommen sind… die kleinen Schrammen am Bus gehören für uns zum Erlebnispaket, und wir sind wohl noch mit einem blauen Auge davon gekommen (also „nur“ Geldverlust); somit haben wir etwas zu erzählen und nicht nur schöne Hotelbilder. 😅 Wir werden die zukünftigen Warnungen jedenfalls genauer unter die Lupe nehmen, und weniger vorbuchen um uns selbst ein besseres Bild machen zu können (und nicht nur auf Onlineberichte verlassen). Vielleicht hätten wir so mehr Zeit im Süden des Landes verbracht. Allerdings, was den Teil von der US-Grenze bis Mexico City angeht (speziell die Grenzregion), kann man jedem nur raten: Fliegt drüber!
Und jetzt geht es auf nach Belize!
P.S. Wir haben tatsächlich unsere 400 US$ Pfand für das Auto zurückbekommen. Obwohl wir nicht mehr daran geglaubt haben, wurde das Geld 5 Tage nach Ausreise (an der Grenze hieß es 48h) auf unsere Kreditkarte zurück gebucht. Wer hätte das gedacht? Wir waren jedenfalls sehr positiv überrascht!
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