Okanagan Valley und Vancouver

Wir fuhren nun in ein Gebiet auf das wir uns sehr gefreut haben: das Okanagan Valley. Nördlichstes Weinanbaugebiet der Welt, ein Mikroklima, Feriengefühle wie am Gardasee – einfach perfekt nach den nordischen Wochen. Und tatsächlich kommt es einem ein wenig wie ein anderes Land vor: Weinberge und dazugehörige Berge reihen sich aneinander, die Vegetation zeugt von trockenem Klima und es hat „staubtrockene“ 32 Grad. Eingerahmt von riesigen Stauseen ist diese Region an der Grenze zur USA das Feriensommerziel schlechthin.

In Kelowna gönnten wir uns gleich 2 Wine Tastings. Erst in einem Hipster-Weingut „The Hatch“ (Wein war grauslich 🙈) aber Selbstmarketing sehr gut.

Das zweite Weingut „Quails Gate“ hatte ich ausgesucht, (und ich muss es ehrlich zugeben: nicht aufgrund meiner Kenntnis des Weines, sondern der unglaublich schönen Lage der Weinberge mit Blick auf den Okanagan Lake und der Tour durch die Weinberge. Der Wein war nicht schlecht, das wahre Highlight dieses Weinguts, neben der Lage ist jedoch der Eiswein, welcher köstlich war.

Vielleicht lag es am Wein, aber das Okanagan Valley hatte es uns angetan. Nicht nur Weingüter überall, sondern auch als Obstanbaugebiet bekannt, bekommt man dort alles was das Herz begehrt und kann es teilweise sogar selbst pflücken (wer Muße hat, bei 35°😄). Zudem hatten wir einen schönen Übernachtungsspot mit Aussicht gefunden.

Nach dem unglaublich schönen Aufenthalt im Okanagan Valley ging es über mehrere Tagesetappen via Sea-to-Sky Highway Richtung Vancouver. Die Fahrt war unglaublich abwechslungsreich. Dadurch dass wir nicht den direkten Weg fuhren, wechselten sich trockene Halbwüste, Flüsschen, Berge und Wasserfälle bis Vancouver ab.

Eine Anekdote war noch die letzte Bärsichtung Kanadas bei einem sehr beliebten Wasserfall. Hier rannte ein Schwärzbär unmittelbar in Tourist:innennähe herum. Wir wollten eine junge Familie warnen (Kinder ca. 4-6) damit diese ihre Kinder an die Hand nahmen ö.ä.. Doch weit gefehlt, die Gruppe rannten dem Bären hinterher, bzw. suchten ihn, um Fotos von ihm zu machen; die Kiddies hinterher. Mir sind wirklich die Worte weggeblieben und da habe ich das erste Mal verstanden, warum die Ranger gebetsmühlenartig sagen man solle Bären in Ruhe lassen und sich fern halten. Ich konnte mir bis jetzt nicht vorstellen dass es Menschen gibt, die so Gaga sind v.a. mit kleinen Kindern einem ausgewachsenen Bären hinterher zu laufen.

In Vancouver besuchten wir erst noch eine Fisch-Aufzuchstation mit pazifischen Lachsen. Sehr spannend wie man den Fischen in Becken bei ihren Sprüngen zusehen konnte, und gelernt haben wir auch noch was 😉.

Nächster Halt war eine Hängebrücke (Nein, nicht Capilano – das haben wir uns geschenkt; 30 CAD Eintritt und lange Schlangen, diese Tourismusfalle musste nicht sein. Wir wählten daher die Lynn Canyon Hängebrücke – umsonst und auch nett 😁). Zudem muss ich sagen, dass zumindest mir die Faszination dafür fehlt, mit 30 anderen auf einer Hängebrücke zu stehen. Der Ausblick nach unten und das Areal selbst mit vielen Blumen war da schon deutlich spannender als die Brücke selbst.

Anschließend parkten wir in Vancouver Nord (unglaublich schön dort) und dann ging es mit dem „Seabus“ nach Vancouver Downtown; einer Minifähre die Randbereiche mit der Innenstadt verbindet, und zeitgleich für 6 CAD eine Minikreuzfahrt mit Blick auf die Skyline ist.

In Vancouver war das Wetter leider nicht auf unserer Seite. Es hat mal wieder geschüttet, und ehrlicherweise fanden wir die Randbezirke deutlich ansprechender als die Innenstadt. Vor allem als wir Richtung Gastown Uhr liefen (eine dampfbetriebene Uhr) kamen wir durch ein schlechteres Viertel. Hier reihten sich Obdachlosen/Drogensüchtigen Zelt an Zelt, die hier dauerhaft ihr Lager aufgeschlagen haben. In keiner Stadt in Kanada hatten wir bisher so viel Armut gesehen… später erfuhren wir, dass es v.a. auch am milden Klima liegt. Im restlichen Land ist es im Winter zu kalt, daher „sammeln“ sich alle in Vancouver… sehr traurig.

Am nächsten Tag besuchten wir noch den berühmten Stanley Park, u.a. mit den dortigen Totem Poles, eines der Wahrzeichen Vancouvers.

Auf dem Weg nach Tsawwassen (der Ablegestelle der Fähre nach Vancouver Island, unserem nächsten und letzten Ziel in Kanada) stoppten wir noch am Granville Island Markt; hauptsächlich ein Lebensmittelmarkt, aber heute mit einem sehr hippen Vergnügungsviertel drumherum. Da wir allerdings vormittags um 10 Uhr dort waren, war noch nicht so viel los. Wir haben dann stattdessen dort nochmal gefrühstückt – mit Scones und Donuts die perfekte Symbiose aus alter und neuer Welt 😉.


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2022 ging es wieder los – diesmal von Kanada bis Panama – 44.000 Kilometer auf dem nordamerikanischen Kontinent, unterwegs mit einem (selbst) ausgebauten T5 Bulli, den meine bessere Hälfte und ich, von Deutschland verschifften.