Nachdem die Fahrt auf dem Dempster Highway ans Polarmeer entspannter war als gedacht – hat sich das Bild bei der Rückkehr in die Zivilisation (in Form von asphaltierten Straßen) verkehrt: Schon als wir bei der Visitor Info am Tombstone Park nochmal unsere Wasservorräten auffüllen wollen, stand dort ein Schild „Klondike Hwy closed due to fire“. Auf weitere Nachfrage in Dawson City wurde gesagt, dass nach Stewart Crossing viele Kilometer rechts und links des Klondike Highway brennen, und deshalb (vor allem aufgrund des Rauches) die Straße nicht befahrbar sei. Kleine Seiteninfo: Der Klondike Highway ist die einzige Verbindung von Dawson City in den Süden nach Whitehorse, wenn man nicht einen ~1.400 km Umweg über Alaska nehmen will. Zur Erinnerung: In Alaska brennt es auch; und zwar schlimmer als je zuvor… Und natürlich wusste Niemand wie lange die Sperrung noch dauern würde. Uns wurde gesagt dass es trotz der Feuersituation vorkommt, dass die Straße kurzfristig (typischerweise in den Nacht- oder frühen Morgenstunden) geöffnet wird – aber wirklich wissen oder garantieren kann das Niemand.

Was haben wir gemacht?
Erstmal in Dawson City alle Vorräte (Wasser/Essen/Diesel) aufgefüllt; eine absolute geniale Führung durch einen gigantischen Eimer-Ketten-Schwimm-Bagger (der heißt wirklich so!) zur Goldsuche; und dann Abfahrt in Richtung Straßensperrung – gewappnet und notfalls für einige Tage ausgerüstet. 🙃

Bei Ankunft am Eimerkettenschwimmbagger (circa 15 km von Dawson City) an der Dredge No. 4 hat sich Kanada mal wieder von seiner Sonnenseite gezeigt: Wir hatten keine Führung vorgebucht, aber als ankamen ist gerade eine Führung gestartet. Der Guide hat uns gefragt ob wir vielleicht Lust hätten mitzumachen; es waren gerade nur 7 weitere Interessierte anwesend, und gemeinsam hätten wir mehr Spaß. 🤩 Diese Chance haben wir natürlich wahrgenommen und uns die Arbeitsweise dieses Giganten von innen und außen erklären lassen. Für die Interessierten unter euch, hier der Link zur ausführlichen Erklärung. Ich bin mir sicher dass die Ausmaße und Bilder den ein oder Anderen motivieren sich das mal genauer anzuschauen. Es ging tatsächlich schon vor 50 Jahren deutlich professioneller als nur mit einer Goldpfanne am Fluss zu stehen. 😇

Wie oben bereits erwähnt sind wir anschließend nach Stewart Crossing (~200 km von Dawson City) gefahren, um uns mit einer paar Anderen anzustellen, und auf das Beste zu hoffen. Als wir dort ankamen standen viele Andere schon >12h dort.

Feuerwehr und Polizei hatten bislang immer das Gleiche gesagt: „Wir wissen nicht ob und wann wir aufmachen können. Aktuell sind die Brände viel zu nah an der Straße, der Asphalt ist teilweise viel zu heiß, und der Rauch macht es absolut unmöglich.“ Für uns war das nicht schön, aber erwartbar, und nicht wirklich tragisch. Für einige Andere sah das etwas anders aus: Viele hatten tags drauf Flüge aus Whitehorse oder Ähnliches.

Uns selbst haben vor allem zwei Sachen zu Schaffen gemacht: Der Rauch wurde immer stärker, und die Moskitos haben vollkommen verrückt gespielt. Falls wir bisher dachten diese Viecher wären aggressiv und zahlreich… Jetzt hatten wir den Beweis. In unserem Zusatz-Moskitonetz im Dachfenster hatten wir locker 200-300 dieser Blutsauger. Und da es nur Plumpsklos dort gab, wurde es noch interessanter da ungefähr 800 Moskitos auf Einen warteten und man sie fast summen hörte: „Abendessen ist serviert“ 🥴 .

Als wir dann ~3h vor Ort waren, wurde die Situation noch etwas verrückter: Es kamen ein paar Feuerwehrleute angefahren, haben Material aufgeladen, und sind dann aber wieder in Richtung Dawson City aufgebrochen – also in die Richtung aus der wir gerade gekommen sind. Natürlich hatten wir erwartet sie würden in Richtung Whitehorse fahren um die Brände dort einzudämmen. 😲

Auf Nachfrage hin wurde uns gesagt, dass inzwischen auch die Straße hinter uns auf der wir wenige Stunden vorher gefahren sind wegen Bränden gesperrt ist. Und man hoffe diese relativ kleinen Brände noch unter Kontrolle zu bekommen, bevor es noch schlimmer wird.

Das bedeutete also: Vor uns brennt es; hinter uns brennt es; und die potentiell letzte Möglichkeit im Worst-Case hier wegzukommen, ist eine ziemlich schlechte Dirt Road ins Landesinnere die allerdings nach 100km bei einer Geisterstadt endet. Sagen wir es so, trotz dem unbändigen Vertrauen in die Erfahrung der Feuerwehr und den vorhandenen Optionen… es gab schon entspanntere Tage und wir waren froh Vorräte in Dawson City aufgefüllt zu haben. Das Warten war dabei wohl die größte Herausforderung – wir reihten uns um 16 Uhr nachmittags in die Schlange der wartenden Trucks und Autos ein… (zusammen mit ca. 15 Anderen zu diesem Zeitpunkt) und erst hieß es „Wir warten auf das Pilot Car (Die gibt es an sehr viele Baustellen in Kanada, wenn die Fahrtroute durch die Baustelle nicht 100% eindeutig ist, und manchmal auch wenn sie eindeutig ist – es kam uns manchmal ein wenig nach ABM-Maßnahme vor) und um 20 Uhr machen wir einen Durchfahrversuch im Konvoi.“ Um 20 Uhr hieß es „Der Asphalt ist noch zu heiß. Wenn wir jetzt fahren, platzen uns womöglich die Reifen. Wir probieren es um 22 Uhr.“ Um 22 Uhr hieß es dann „Heute nicht mehr“.
Nach einer fast schlaflosen Nacht (Moskitos und Rauch!) trommelten die Offiziellen gegen kurz vor 6 Uhr alle Autos und Trucks wach… Es ging los! Keine 5 min später setzte sich die Kolonne, angeführt von einem Pilot-Car in Bewegung. Die ersten paar Kilometer waren noch unspektakulär, aber langsam wurde der Rauch immer dichter, und man sah auch ein paar Brandherde rechts und links der Straße. Wir hatten zur zusätzlichen Sicherheit die Lüftung abgestellt und unsere FFP2-Masken erfüllten somit noch einen Zweck. Wahrscheinlich unnötigerweise, aber es fühlte sich trotzdem besser an.

Nach 60 km war der Spuk vorbei, und wir sind am anderen Ende der Straßensperrung angekommen. Von dort aus ging es ohne Geleit weiter nach Whitehorse. Ich denke man kann sich vorstellen wie erleichtert wir waren dort angekommen zu sein. Der rückwärtige Weg (also vom nördlichen Whitehorse bis zum abseits gelegenene Dawson City) durften die nächsten 5 Tage nur Versorgungstrucks passieren; keine Tourist:innen und auch keine Einheimischen. Wir hatten wohl mehr Glück heil da rauszukommen, als uns in dem Moment vielleicht klar war.


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2022 ging es wieder los – diesmal von Kanada bis Panama – 44.000 Kilometer auf dem nordamerikanischen Kontinent, unterwegs mit einem (selbst) ausgebauten T5 Bulli, den meine bessere Hälfte und ich, von Deutschland verschifften.