From Coast to Coast to Coast

Nach dem wir in Inuvik Kraft gesammelt haben, hieß es auf an den arktischen Ozean. Der Inuvik–Tuktoyaktuk Highway wurde erst 2017 fertig gestellt, vorher endete die Ganzjahresstraße in Inuvik und die beiden Städte waren nur im Winter über eine Eisstraße verbunden. Die knapp 140km in das Dörfchen am Polarmeer sollen den Tourismus ankurbeln. Die Straße war obwohl neueren Datums, schlechter in Schuss als der Dempster Highway, dennoch bei trockenem Wetter gut befahrbar. Landschaftlich ist es hier nun wirklich arktische Tundra. Aussteigen tut man hier auch nicht mehr, da einen die Moskitos mal wieder bei lebendigem Leib fressen (selbst fürs Fotos machen! am Anfang hab ich es noch mit kurz Scheibe herunterlassen und Foto machen, Scheibe wieder hoch versucht – keine Chance, die Viecher sind zu aggressiv). „Schuld“ daran ist der Permafrostboden. Hier taut nur eine ganz kleine, wenige Meter dicke Schicht im Sommer auf. Dies führt zur Bildung von unzähligen Wasserteichen und Mooren, Brutstätte für Millionen Moskitos. Ein kleines Highlight auf dem Weg sind die Pingos – im Grunde Eisberge (es ist geologisch deutlich spektakulärer, hier eine gute Erklärung).

Lustig sind auch die großen „Parkplätze“ für Schneemobile, die hier haufenweise in Grüppchen einfach überall im Grün am Straßenrand stehen und darauf warten, dass der Winter zurückkommt – in der Ferne sieht man noch Eisschollen auf dem Wasser treiben.

Tuktoyaktuk selbst ist ein wirklich unspektakulärer, winziger Ort. Es gibt Nichts zu sehen, und die Visitorinfo ist in einem kleinen Baucontainer; und viele Infos gibt es dort auch nicht. Man merkt, dieses Dorf hatte nur zwei Jahre vor der Pandemie um sich ggf. auf Besuchende einzustellen, und dann war zwei Jahre zu. Vor allem die Northwest-Territories hatten strikte Regeln und waren sogar zum Rest von Kanada zwei Jahre geschlossen um die indigene Bevölkerung zu schützen. Die plötzliche Deklarierung der Pandemie zur Epidemie kam für die Bevölkerung völlig unvorbereitet, keiner war auf Besuch im Jahr 2022 eingestellt. Aber über den Besuch freuen, tun sie sich, denn als wir vorne am Schild standen kam eine nette Frau extra vorbei gefahren die uns mit der Kamera hantieren sah und bot uns an, Bilder von uns zu machen. Die Erfahrung hatten wir nun schon ein paar Mal gemacht, dass uns Menschen sahen, wie wir versuchten Fotos zu machen (z.B. auch vor dem Alaska Highway Schild in Dawsons Creek) und extra zu uns fuhren um Fotos von uns zu machen. Kanada macht seinem Ruf eines der nettesten Länder der Welt zu sein wirklich an jeder Ecke dieses riesigen Landes alle Ehre – Chapeau Kanada!

Die Rückfahrt war ähnlich wie die Hinfahrt. Die Strecke zwar staubig, aber verhältnismäßig gut (nur unser Auto hatte langsam eine zweifarbige „Lackierung“ – oben weiß, unten sand 😀. Wir hatten wieder eine Zwischenübernachtung auf dem Campingplatz in Inuvik und standen frei kurz vor dem Tombstone Park.

Absolutes Highlight auf der Rückfahrt war die Sichtung einer Elchkuh mit Nachwuchs.

Insgesamt waren die knapp 2.000 km auf dem Dempster Highway (alles Schotter) einfacher zu fahren als befürchtet (Durchschnittsgeschwindigkeit 65-70 km/h). Das Glück war uns hold, und unsere Reifen haben gehalten. Andere Leute hatten nicht ganz so viel Glück: Bei einem Pärchen haben Steine so ungut den Unterboden getroffen, dass sie ein Loch in den Tank schlugen, und wir haben insgesamt drei Fahrzeuge gesehen, bei denen die Reifen getauscht werden mussten – bei einem davon konnten/durften/mussten wir helfen. Daher freuten wir uns umso mehr, dass unser treuer Bus diesen Abstecher zum arktischen Ozean gut verkraftet hat – und wir können nun sagen, wir sind von Küste zu Küste zu Küste gefahren.


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2022 ging es wieder los – diesmal von Kanada bis Panama – 44.000 Kilometer auf dem nordamerikanischen Kontinent, unterwegs mit einem (selbst) ausgebauten T5 Bulli, den meine bessere Hälfte und ich, von Deutschland verschifften.