Nachdem wir die Nacht unfreiwillig kurz vor der Grenze verbracht hatten (siehe vorheriger Beitrag), und somit eigentlich nicht die beste Laune hatten als wir morgens an der Grenze ankamen, war die kanadische Grenzbeamtin mal wieder so dermaßen nett, freundlich, interessiert und gut drauf, dass uns das angesteckt hat – toll wieder in Kanada zu sein.

Das erste Ziel auf kanadischer Seite war Dawson City, eine ehemalige Goldrush-Stadt, die primär von Parks Canada wunderschön restauriert und erhalten wird, und ein wichtiges Versorgungszentrum für die weiter nördlich gelegenen Städte und Menschen darstellt. Sehr lustig war die Fluss-Überfahrt mit der wahrscheinlich kleinsten Fähre der Welt (dachten wir zumindest noch). 😉
Dawson City war tatsächlich ganz süß gemacht; und ist vor allem für den Klondike Gold Rush in den 1890ern berühmt, als sich mehr als 100.000 Prospektoren in die unwirtliche Region des hohen Nordens aufmachten, in der Hoffnung bei der Suche nach Gold ihr Glück zu finden.






Wir selbst waren heiß und gespannt auf unser nächstes Ziel nach Dawson City. Den legendären Dempster Highway nach Inuvik. Früher gab es Aufkleber die hießen „I survived the Alaska Highway“. Diese gibt es heute mit dem Dempster Highway. Wir hatten ziemlich lange Hin und Her überlegt, ob wir diese Strecke fahren sollen. 736 km Schotterstraße bis nach Inuvik in den Northwest Territories, die bei Regen schnell zur Schlammschlacht wird, keine Infrastruktur, kein Handynetz – diese Strecke ist die wirkliche „last frontier“ und berühmt (für die tolle Landschaft und Einsamkeit) und berüchtigt (für die Straße). Doch mit solchen Strecken hatten wir ja schon so unsere Erfahrung wie unsere Fahrt nach Yakutsk 2016. Als ich dann noch gelesen habe, dass 2017 eine weitere Strecke erschlossen wurde, die eine Weiterfahrt nach Tuktoyaktuk, der Stadt am Polarmeer ermöglicht, war es klar – wir fahren von „coast to coast to coast“. Daher haben wir Dawson City dieses Mal primär dazu genutzt nochmal Wasser, Essen und Diesel aufzufüllen, weil wir wussten wir kommen auf dem Rückweg wieder hierher. Die Anfahrt zum Dempster Highway hatte schon was für sich, wenn man den Blinker Richtung „Arctic Ocean“ setzt, auch wenn das Schild kurz darauf einem schon ziemlich Respekt einflößt.


An dem Tag ging es noch bis kurz hinter den Tombstone Park – die ersten ~120km Schotterstraße Dempster Highway waren also geschafft. Leider hat uns der Rauch aus Alaska auch bis hierhin begleitet, so dass die Aussichten teilweise ähnlich getrübt waren, wie wir es vom Top of the World Highway am Tag davor kannten.







Am nächsten Tag haben wir den Polarkreis überfahren. Zum zweiten Mal ist unser Bus über den Arctic Circle gefahren – das erste Mal letztes Jahr auf unserer Einweihungsfahrt ans Nordkap.
Ab dem Polarkreis Richtung Norden wurde der Rauch immer weniger, die Luft besser, aber die Aussichten leider auch unspektakulärer. Auf dem Weg nach Inuvik gab es nochmals zwei Fährüberfahrten. Vielleicht erwähnenswert: Die notwendigen Fähren, die Straßen komplementieren (also auch die Fähre direkt bei Dawson City), sind immer kostenlos. Weiterer positiver Nebeneffekt, gerade auf dem Dempster Highway durchs Niemandsland: Dort gibt es für ein paar Minuten so etwas wie Zivilisation (3 Häuser und eine Tankstelle), und auch Handynetz. 😉 Wichtigstes auf dieser Straße – Abstand halten! wenn man nicht komplett eingestaubt werden will oder die Kiesel des vorherigen Fahrzeuges abbekommen will. Wir hatten jedoch Glück, es hatte länger nicht geregnet und die Straßenbedingungen waren daher relativ gut.




Alles in allem war die weitere Fahrt bis Inuvik sehr schön, auch wenn wir doch etwas angespannt waren. In Inuvik haben wir auf einem Campingplatz übernachtet, der uns auch mal wieder annehmbare Duschen beschert hat. Am nächsten Morgen haben wir den lokalen Markt in Inuvik besucht, 2-3 Souvenirs geshoppt, ansonsten gibt es in der Stadt nicht viel zu sehen, außer der Iglu-förmigen Kirche und dem äußerst stylischen Stadtlogo. Was man hier an den Häusern sieht, Inuvik ist wieder eine Stadt auf Permafrost-Boden. Hier sind die Leitungen alle oberirdisch verlegt und alles steht auf Stelzen. Lustig ist auch, dass man sich hier sein „Arctic Circle“-Zertifikat abholen kann.







Was jedoch vor allem Inuvik so charmant macht, ist die Abwesenheit von Massentourismus – das Zertifikat ist auf ein Blatt Papier ausgedruckt, in der Stadt sind mehr Einheimische als Tourist:innen unterwegs – und Souvenirs gibt es im örtlichen Minimarkt, neben Keksen und Tiefkühlartikeln und öffentliches Wlan nur in der städtischen Bibliothek, man findet weder das große gelbe M, noch Tim Hortons. Man merkt, hier kommen wirklich nicht allzu viele Reisenden vorbei, und wir freuten uns, dass wir dazu gehören dürfen – wir haben die größte Etappe auf dem Weg zum arktischen Ozean geschafft (sogar OHNE platte Reifen!!!) – we survived the Dempster Highway! 😁
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