Vom Banff über den Icefield Parkway in den Jasper NP

Nach einer großen Lawine war die Zufahrt zum Lake Moraine gesperrt (wie im 1. Banff Post kurz erwähnt). Es hieß am 6. Juni wird die Straße voraussichtlich wieder eröffnet – was so zwar auch stimmte, allerdings war die Zufahrt ab Lake Louise schon um halb 9 wegen Überfüllung bis 17:00 gesperrt; also hieß es am 07.06. früher raus, in der Hoffnung wir schaffen es vor unserer Fahrt Richtung Jasper in den Icefield Parkway noch zum Lake Moraine hoch. Gesagt – getan.

Definitiv ein sehr schöner, wenn auch noch winterlicher Zwischenstopp. Auch wenn die Fotos mit den Motivpostkarten wenig gemein haben, die smaragdgrüne Farbe kann man nur erahnen.

Hier stellte ich unter Beweis dass an mir doch eine gute Lehrerin (oder Parkrangerin? 😉) verloren gegangen ist, und muss kurz auf die Kehrseite des Tourismus eingehen: Es besuchen ca. 2,5 Mio Menschen jährlich die Rocky Mountains NP Banff und Jasper. Menschenmassen die sich hier jede Saison auf die Natur ergießen, von denen viele gerne neue „Wege“ schaffen wollen – querfeldein, nach dem Motto „in der Natur ist man frei“. Grundsätzlich keine ganz falsche Annahme mit der Freiheit, aber wenn 2,5 Mio Menschen jährlich die Freiheit querfeldein genießen wollen, auf einem so begrenzten und fragilen Ökosystem wie in den Nationalparks, gibt es bald nichts mehr zu genießen weil Pflanzen, Blumen platt getrampelt sind. Daher bin ich eher von der Fraktion „erhöhte Aufmerksamkeit“, d.h. auf Trails bleiben; Pflanzen anschauen und nicht mitnehmen; und ja, manchmal etwas überpenibel, was den menschlichen Impact auf die Natur angeht. Wir haben viele Ranger gesehen und darüber gelesen, wie viel Zeit, Mühe und Arbeit investiert werden muss um die Schäden der Touristen jede Saison wieder aufs Neue auszugleichen, die sich nicht an die Regeln oder Wege halten.

Auch auf dem Trail am Lake Moraine gab es große Schilder, den Pfad bitte nicht zu verlassen, um die Natur in dieser „Recreation Area“ (also neue Bepflanzung weil sich eben viele NICHT an die markierten Wege halten) zu schonen. Tja, was sahen da meine Augen? Ein Pärchen, dass nichts Besseres wusste, als genau dort durchzutrampeln um noch ein bisschen bessere Selfies und Posings zu machen, ohne Rücksicht auf die Natur oder den Boden zu schauen. Andere Tourist:innen (u.a. eine kanadische Gruppe) schüttelten alle den Kopf – aber keiner sagte etwas. Außer ich, ich sprach die Beiden wie es so meine Art ist mit meinem „dezenten freundlichen“ Wesen an, wies sie auf den Sachverhalt hin und sagte eindrücklich, sie mögen zurückkommen auf den Weg. Die Kanadier:innen neben mir waren begeistert und stimmten in ein gemeinsames deutliches Maßregeln ein. Die Beiden bewegten sich in einer Mischung aus Widerwillgkeit, Unverständnis und Scham zurück auf den Weg. Ich hoffe, von zum Ende ca. 6 Personen angeblafft zu werden, ob die Beiden nicht lesen können, reicht als Lehre für die Beiden. Also hier ist die Devise: „Take nothing but photos, and leave without footprints.“

Den restlichen Tag verbrachten wir auf dem Icefield Parkway – jene 232km Straße die die beiden NPs Banff und Jasper verbindet, und auf der sich hinter jeder Kurve das nächste Highlight auftut. Von türkisfarbenen kristallklaren Seen, bis zu Gebirgsketten und tiefen Canyon wurden wir sogar mit wunderschönem Wetter belohnt. Eine spektakuläre Strecke – auf der Bilder mehr sagen als Worte.

Den Abend ließen wir dann in der Jasper Brewery mit einem „flight of beer“ ausklingen (im Grunde eine kleine Tasting-Selektion aus den verschiedenen Bieren der lokalen Brauereien). Es ist faszinierend wie kreativ und positiv sich die Bierbraukultur hier in Nordamerika seit dem Aufkommen des Craft Beer gewandelt hat – von Blueberry Vanilla (ja es schmeckt!!!) bis zu Coffee Stouts, die Bandbreite ist einfach nur umwerfend. 😋

Im Jasper NP wanderten wir in das Tal der 5 Seen, von denen Jeder eine andere Farbschattierung hat. Eine sehr schöne und entspannte Wanderung (eher Spaziergang). Auch hier gab es wieder diese charakteristischen roten Stühle – bisher konnte uns noch keiner erklären, was es mit diesem Modell auf sich hat, denn überall in Kanada (und auch in Neuengland) stehen diese Stühle (meistens in rot). In Privatgärten, Nationalparks, an der Straße – einfach überall. Ist dies das Äquivalent eines Monobloc-Stuhls? Ich weiß es nicht – aber schöner (und bequemer!) als das Plastikteil ist diese Variante auf jeden Fall!

Und natürlich fuhren wir auch über den Maligne Canyon, den Medicine Lake bis zum Maligne Lake. Und unterwegs natürlich wieder ein grasender Schwarzbär. Langsam avancieren die Tiere zu meiner Lieblingsattraktion. 😍 Aber nicht nur das, wir sahen junge Wapitihirsche, unsere erste Elchkuh und einen nistenden Weißkopfseeadler in seinem Nest in weiter Ferne. Langsam bekommen wir einen Eindruck von der großen Wildnis Kanadas.


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2022 ging es wieder los – diesmal von Kanada bis Panama – 44.000 Kilometer auf dem nordamerikanischen Kontinent, unterwegs mit einem (selbst) ausgebauten T5 Bulli, den meine bessere Hälfte und ich, von Deutschland verschifften.