Ottawa und Upper Canada Village

Von Québec aus ging es in die Hauptstadt Kanadas, Ottawa – der einzig echt zweisprachigen Stadt des Landes, und dem Sitz der Regierung. Alleine die Fahrt dorthin war wieder lustig (oder tragisch… je nach Sichtweise), weil es auf den Straßenschildern bis circa 5 km vor Ottawa keinen Hinweis auf die Stadt Ottawa gibt. Hintergrund: Wir sind Ottawa von der Stadt Québec und dem Bundesstaat Québec aus angefahren. Und bei den Anglo-Franzosen wird immer nur die Schwesterstadt Gatineau (nur durch den Ottawa-Fluss von Ottawa auf Ontario-Seite getrennt) in Québec State genannt. 🙈 Wie man sieht… etwas „speziell“. Wobei man zugeben muss, dass die Auswahl an Käse und Rotwein in Québec sich sehr wohltuend von der in Nova Scotia abgehoben hat. 😋

Ottawa selbst ist eine moderne Stadt, die sich vor allem durch den Parliament Hill (Parlamentsgebäude sowie prächtige Gebäude im viktorianischen Stil) auszeichnet.

Man kommt sich fast ein bisschen vor wie in einer etwas besser erhaltenen Version von London, inklusive Big-Ben Kopie. Schade nur, dass aktuell viele Restaurationsarbeiten laufen, und man somit nicht auf den Turm hoch konnte.
In Ottawa hat sich auch gezeigt warum die Franko-Kanadier so auf ihre Eigenständigkeit und Besonderheit pochen, und warum das letzte, gescheiterte Referendum zur Abspaltung von Québec sicher nicht das Letzte sein wird. Grund ist (so lassen es unsere Eindrücke zumindest vermuten), dass die Kanadier sehr stark mit dem englischen Königreich verwurzelt sind, und diese Verbindung gelebt und gefeiert wird – überall Flaggen des Vereinigten Königreiches, massenweise Klatschblätter von und mit der königlichen Familie, … – und dass das den Franko-Kanadiern so gar nicht passt, ist auch schon wieder (zumindest zum Teil) nachvollziehbar.

Weitere Stationen auf unserer Tour durch Ottawa waren der Rideau Canal (eine von Hand betriebene, mehr-stufige Schleuse, die die höhergelegene Stadt Ottawa mit dem Fluss Ottawa verbindet), die leider sehr in die Jahre gekommene, ehemalige Prachtstraße Queen Street, die Notre Dame Basilica, die National Gallery of Canada (mit riesiger Metallspinne davor), und der Party- und Restaurant-District Byward Market.

Im Byward Market gab es zum ersten Mal eine kanadische Spezialität, die uns von hier ab bis nach Westen begleiten wird: Beavertails: Frittierte Teigtaschen, ähnlich zu Langos, die in unterschiedlichen Varianten belegt werden (Standard: Zucker + Zimt, aber auch mit Ahornsirup, Apple Pie oder Strawberry Cheesecake – leider sehr geil).

Auf dem Weg von Ottawa nach Toronto (der schnellst-wachsenden Stadt Kanadas) war das lebende Museum ‚Upper Canada Village‘ unser erster Zwischenstopp. Dort ist eine Siedlung/Dorf aus dem Jahre 1860 aufgebaut. Aber nicht nur als Museum, sondern als absolut funktionierendes Dorf, wo Käse hergestellt wird, wo die Mühle zum Sägen von Baumstämmen eingesetzt wird, und die daraus gewonnenen Bretter/Dielen zum Hausbau eingesetzt werden, … – als wäre man zurück versetzt ins Jahr 1860. Unglaublich toll auch wie die Bewohner/Schauspieler sich Mühe geben ihre Arbeit zu erklären und zu demonstrieren. Genannt wird dieses „Schauspiel“ dann „Living Museum“. So etwas habe ich noch nie erlebt, und ich finde es absolut genial wie greif- und erlebbar Geschichte vermittelt werden kann. So etwas würde ich mir in Deutschland/Europa auch wünschen. Und natürlich haben wir uns auch ein Stückchen des dort hergestellten Cheddars gekauft. Geschmacklich nicht wirklich viel besser als der lokale Standard-Cheddar, aber die Erinnerung isst mit. 😉

Off-topic: Sehr angenehm übrigens, wenn man vom Bundesstaat Québec wieder in Ontario ist: Man wird nicht nur initial auf Englisch angesprochen, sondern plötzlich versteht zumindest wieder Jeder Englisch. Denn mein Schulfranzösisch war faktisch nicht mehr existent. 🙉


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