Die nördliche Halbinsel Nova Scotias heißt Cape Breton, und ist über einen ~1km langen Damm erreichbar. Der erste geplante Zwischenstopp war der Besuch der einzigen Single Malt Whisky Destillerie Kanadas: Glenora Destillery. Ein vorheriger Check per Google Maps und der Homepage hatten uns optimistisch gestimmt dass die Destillerie offen hat, und wir eine Führung inkl. Tasting bekommen werden. Als wir dort ankamen war die Enttäuschung groß als wir das große CLOSED Schild in der Einfahrt gesehen hatten. Wir sind trotzdem weiter auf das Gelände gefahren, weil dort 2 Autos zu sehen waren, und wir die Hoffnung nicht aufgeben wollten (wenn schon keine Führung) auf den Kauf einer kleinen Flasche.

Doch die Realität war viel besser: Nachdem Ich schon leicht entnervt vom vergeblichen Anklopfen an einem kleinen Häuschen mit PickUp davor in Richtung T5 zurück gehen wollte, kam ein netter Mann aus dem Haus und fragte freundlich, ob er uns behilflich sein könne. Wir haben berichtet dass wir eine Tour machen, oder zumindest eine Mini-Tasting machen wollten – schließlich seien wir Whisky-Liebhaber und wollen uns das nicht entgehen lassen. Irgendwie wurden wir für nett befunden, und so hat sich dieser Unbekannte bei uns entschuldigt dass die Saison mit Führungen etc. erst in 4 Wochen richtig startet, obwohl online bereits geöffnet stand (die Mitarbeitenden sind alle Covid-bedingt ausgefallen, daher musste der Saisonstart verschoben werden). Aber er können uns ja mal zumindest den Showroom zeigen, und die einzelnen Whiskys erläutern, die dort so hergestellt werden. Gesagt, getan. Auf die Frage im Showroom hin, ob wir denn peated oder non-peated Whiskys bevorzugen würden (also rauchige oder nicht-rauchige), war mein Sofort-Statement: „PEATED“ 🙃.

Somit war es um den Mann geschehen, und er hat uns auf ein Glas des besten Whiskys der Glenora Destillerie in Fassstärke – und zwar direkt aus dem Fass – eingeladen. Absolut genial! Übrigens: Nur zwei 550l Fässer gehen pro Jahr als Fassstärke raus; d.h. das war eine echte Rarität.

Für die Nicht-Whiskyfans/-kenner: Alles das, was man sonst so in Läden bekommt, ist nochmal ordentlich mit 5-20% Wasser verdünnt. Somit sinkt zum Einen der Alkoholgehalt (und steigt die Gewinnspanne des Herstellers), und zum Anderen wird somit bei minderwertigem Ausgangsmaterial dafür gesorgt dass das Verkaufsprodukt weniger spritig/alkoholisch schmeckt. Dies könnte man auch dadurch erreichen dass man den Whisky nach dem Ausgießen erst einmal 5min im Glas belässt, und den flüchtigen, schlecht schmeckenden Alkoholika erlaubt sich zu verflüchtigen. Was bei diesem Strecken aber auch passiert ist, dass der Whisky flacher, d.h. weniger aromatisch schmeckt. Diese Fassstärken-Abfüllungen sind leider sehr selten, und typischerweise ziemlich teuer.

Mit diesen 2 Shots war es aber noch nicht genug: Wir haben über alles Mögliche gesprochen. Irgendwann hat er uns gesagt, dass er der Master-Destiller Daniel der Glenora Destillerie ist. Und weil es im Showroom keine offenen Flaschen mit verkaufbaren Flaschen gab, er uns aber die beiden Standard Glenoras zum Probieren geben wollte, ging es in sein Büro.

Alleine das Einschenken war lustig: Zum Probieren gab es 100ml… Als Stefan dann dankend und freundlich darauf hingewiesen hat, dass er noch fahren muss, meinte Daniel nur „oh… yes… I’m filling like I would for me.“.

Also schenkte Daniel 80ml in mein Glas, und für Stefan blieben 20ml über. Nach dem 3ten Whisky war klar welcher unserer Lieblingswhisky war: Natürlich der Erste (Fassstärke). Von dem gab es aber keine Flaschen mehr (davon abgesehen dass die verdaaaammt teuer gewesen wäre). Zweite Wahl: der peated/rauchige Whisky in verdünnter Form – nicht ganz so geil wie die Fassstärke, aber immer noch sehr lecker.

Mit umgerechnet 130€ kein Schnäppchen, aber nach 3 Whiskys im Kopf, und dem riesen Glück sich mit dem Master-Destiller austauschen zu dürfen, wollten wir uns den für den Rest des Kanada-Trips gönnen.
Als Stefan sich dann kurz entschuldigte um den Geldbeutel im Bus zu holen, meinte unser (inzwischen gefühlter) Freund: „No, no, this is my present to you. It has been very nice talking with you, and there is no official way to sell it you anyhow… so please take it, and enjoy a nip every day on your tour – I’m sure it will not last very long with you.“.

Ist das nicht der Wahnsinn??? Mir persönlich fehlten in den nächsten 2-3 Minuten mehr als einmal die Worte und es macht mich immer noch sprachlos: 1000 Dank Daniel!!!!

Nachdem sich das Wetter anschließend leider nicht von seiner besten Seite gezeigt hat, haben wir bei einer lokalen Brauerei mit Restaurant Halt gemacht. Wir mussten uuunbedingt „fried pickles“ probieren (geviertelte frittierte eingelegte Gurken). Das Zeugs gehört definitiv zu den Sachen, bei denen wir nicht verstehen, dass sie sich in Deutschland nicht durchgesetzt haben. Natürlich alles Andere als gesund, aber das sind Pommes auch nicht; und das Zeugs ist einfach nur der Hammer. Ach ja… zusätzlich gab es mit Bacon ummantelte Muscheln; auch einfach nur super lecker.

Dazu gab es für Stefan das lecker selbst-gebraute Lager, und für mich ein ganz besonderes Bier – aber mehr dazu erzählt ich euch in einem der nächsten Beiträge 😉.

Ich fühlte mich bei unserem Stopp am Abend so inspiriert von der Freundlichkeit der Kanadier, dass wir den Whisky nicht nur tranken, sondern ich auch ein „Food-Porn“ reifes Fotoshooting der Flasche und der dazu passenden Gläser machte (die hatte uns Daniel nämlich auch noch dazu geschenkt!). Und wie es der Zufall so wollte… hatten wir natürlich auch noch den passenden Flachmann dazu. 😋

Ach ja… und dann natürlich noch die landschaftlichen Highlights speziell entlang der Nordküste von Cape Breton (Cabot Trail), die hier zwar textlich etwas kurz gekommen sind – aber dafür optisch einfach eine Wucht – und dabei speziell die Wanderung entlang des Skyline Trails. Einfach toll – Bilder am Besten als Vollbild anschauen 😍.


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2022 ging es wieder los – diesmal von Kanada bis Panama – 44.000 Kilometer auf dem nordamerikanischen Kontinent, unterwegs mit einem (selbst) ausgebauten T5 Bulli, den meine bessere Hälfte und ich, von Deutschland verschifften.