Hello and Goodbye, Goodbye and Hello!

Frei nach den Beatles – sagen wir „Goodbye“ für einige Monate und „Hello“ große weite Welt. Wir sind dann mal (wieder) weg und ich wüsste Nichts was ich lieber täte. Doch wie es mit Abschieden (und Neuanfängen) für gewöhnlich so ist, kommt auch so manche Herausforderung auf, die man eigentlich nicht für Eine hielt. Eine der Mannigfaltigen ist für mich definitiv der Wiedereinstieg in das Bloggen.

Ich habe bereits 5x angefangen einen „Es geht los“ Post zu schreiben. Darunter waren völlig verschiedene Entwürfe – von einem salbungsvollen, philosophischen, hochtrabenden Post, darüber wie sehr diese Reise uns verändern wird (und es schon angefangen hat), unseren Blick auf Menschen, das Leben und die Welt transformieren wird… eben dieses Blabla – vielleicht noch garniert mit einem klugen Zitat – a là „Wer nicht reist, sieht nur eine Seite des Buches“ (oder so ähnlich). Dann folgte ein wertschätzender, liebevoller Entwurf, der vor allem Dankbarkeit über die Menschen in unserem Leben ausdrückt (wahrscheinlich auch beflügelt, von der ein oder anderen Verabschiedungsfeier vor Abreise). Bis hin zu frustriert/übermüdeten/genervten Entwürfen, einen Tag vor Abreise um 02:03 Uhr morgens, über all die 1.000 Kleinigkeiten die man vorbereiten muss und einen bis zur letzten Sekunde auf Trab halten; z.b. die Kühltruhe abzutauen, den Telekom-Vertrag zu kündigen und dass man die Autobatterie abklemmt (habe ich vergessen!) – oder in die wohl kleinsten Handys der Welt, die wir für den Notfall dabei haben, mit dem Zahnstocher die wichtigsten Nummern einzugeben.

Alles Dinge, die trotz des geringen Glamourfaktors wichtig sind, und so schreibt man den nächsten Beitrag weil man denkt, dass Leser sicher mehr von einer Checkliste profitieren würden, als von irgendeinem salbungsvollen Geblubber.
Doch die Wahrheit ist: Bisher wurde kein Entwurf der letzten Wochen den Gedanken & der Gefühlsachterbahn gerecht, die so eine Reise mit sich bringt. Bei keinem dieser Entwürfe wollte ich auf „veröffentlichen“ drücken. Denn unsere Reise und vor allem die Vorbereitung brachte viele Facetten – gerade nach zwei Jahren Pandemie (welche dem Fernweh enge Grenzen gesetzt hat), unserer ganz persönlichen Geschichte mit einem gescheiterten australischen Expat-Aufenthalt: So viele Aspekte, so viele Gedanken, so viele Gefühle – wo beginnen, wo enden?
Zugegeben – vielleicht, fehlt mir nach langer Zeit ohne persönlichem Blog aber auch einfach die nötige Eloquenz diese bunte Mischung auf (Web-) Seiten zu bringen.

Daher habe ich mich entschieden, genau dies zu meinem ersten Thema zu machen: Die Achterbahn. (Die verschiedenen literarischen Ergüsse die ich fabriziert habe, werde ich vielleicht dann veröffentlichen, wenn ich zu jedem Mosaikstück einen Beitrag geschrieben haben.. also nie🙊) Die Achterbahn, die dazugehört zu einem solchen Vorhaben und zumindest für mich bei manchen Instagram-Alles-ist-Tutti-Frutti-Wanderlust-Reisebloggern untergeht. Wobei Achterbahn als Metapher nur bedingt funktioniert – weil zu einfach/linear. Denn es gibt zwar eine Kurve, es geht auf und ab, aber der Weg ist klar und es folgt Eines auf das Andere. Vielleicht treffender: Kennt ihr diese einfachen Kaleidoskope von Volksfesten? Diese 2€ Plastikteile – man schaut hindurch die Welt ist kunterbunt, alles gleichzeitig, es dreht sich alles und es ist lustig, aber irgendwie ist einem danach auch ein bisschen übel. Das ist wohl der passendere Vergleich.

Als ich diesen Beitrag schreibe, sitze ich im Bus, nach einem 16h Trip Nürnberg-Frankfurt-Lissabon-Boston, auf der letzten Etappe für heute. Es ist (umgerechnet in deutsche Zeit) 03:40 morgens, und ich bin endlich unterwegs. Dabei ringe ich mir zu viele Worte ab, um zu sagen, dass mir ein wenig die Worte fehlen – peinlich wenn Kommunikation der Beruf ist, aber Schwächen zugeben macht ja bekanntlich auch charmant oder so ähnlich.

So eine Reise zu planen und anzugehen ist Fluch und Segen, es ist eine brutale Lektion über das eigene Ich, und das Uns, und die beste Schule zugleich. Es bedeutet auf das Beste zu hoffen – trotzdem auf alle möglichen Katastrophen vorbereitet zu sein. Es bedeutet mit Szenarien zu jonglieren, Auf und Ab auszuhalten. Einen (zumindest temporären) Ausstieg aus Alltag und Job. Es sind viele kleine oder größere Abschiede. Es bedeutet viel Unsicherheit, und viel Vorleistung in der Hoffnung, dass es sich am Ende für eine tolle Reise lohnt. Die Welt scheint plötzlich grenzenlos und voller Möglichkeiten, bis man feststellt, dass die Grenzenlosigkeit Grenzen hat, denn die Zeit (und auch das Geld) die man zur Verfügung hat ist nicht endlos. Selten merke ich so sehr wie frei und gleichermaßen einschränkend Gedanken und Möglichkeiten sein können.

Auf Instagram oder im Blog sind es kurze Momentaufnahmen, die Reise wird (hoffentlich) nicht nur schön aussehen, sondern auch toll sein; und ja, auch ich werde für so manche Story posen („Influencers in the wild“ lässt grüßen) und schöne Bilder bloggen. Es soll ein großes, wundervolles Abenteuer sein. Doch für Außenstehende ist es manchmal kaum vorstellbar wie viel Arbeit in so einem Vorhaben steckt, denn wer postet schon das Excel-Sheet oder die Tatsache wie lange er in Telefon-Warteschlangen bei Versicherungen verbracht hat um festzustellen, ob die Haftpflicht jetzt auch außerhalb von Europa greift…? Klar, das ist auch selbst gewählt, wenn wir mit dem Bus nach Spanien fahren würden, wäre Vieles nicht nötig. Doch das sind To-Dos, diese kann man verbalisieren, die emotionale Komponente ist da schon eine ganz andere Hausnummer.

Doch darum geht es mir auch, raus aus der wohl geliebten kuschligen Komfortzone. Das letzte Sabbatical war die Schönste und zugleich aufreibendste Zeit in meinem Leben. Und in den letzten Wochen habe ich die Veränderung wieder gespürt, in mir, in uns, unter Freunden und Familie, in der Arbeit. Es verändert, wir verändern uns – und dies alles beginnt schon vor der Reise, mit der Vorbereitung. Das ist gut so, auch wenn es nicht immer einfach ist. Und so ist dieser erste Blogbeitrag so geworden, wie das Kaleidoskop der Gedanken und Gefühle in den letzten Wochen der Vorbereitungszeit: nicht definier- oder klassifizierbar, gemischt und schwindelerregend. Der Unterschied zu 2016 ist jedoch der, dass ich heute weiß worauf ich mich einlasse. Eine Reise dieser Art ist eben auch beängstigend, fordernd, anstrengend. Ja, sie macht glücklich, öffnet Augen, verschiebt Grenzen, stiftet Sinn und zur selben Zeit stellt sie jeden bisherigen Sinn im eigenen Leben in Frage. Alles gleichzeitig, alles durcheinander, ein Kaleidoskop – und ich liebe es und kann es kaum erwarten, dass es nun endlich losgeht.

P.S. An Alle die es bis ganz unten gelesen haben, Danke! Ich weiß dieser erste Post war ganz schön lange, vor allem wenn man bedenkt, dass mir eigentlich die Worte fehlen. Ich verspreche beim nächsten Mal, fasse ich mich kürzer😇.


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