Spannung bis zum letzten „medizinischen“ Check in Montevideo

Dieser Bericht ist aus der Perspektive meines A3s verfasst, der im damaligen Blog als dritte „Person“ selbstständig gebloggt hat:

Die letzten Kilometer auf dem südamerikanischen Kontinent waren spannend für mich: Werde ich es durchhalten? Werde ich noch so fit sein, dass die Reederei mich ‚annimmt‘? Brauche ich vielleicht doch noch eine Not-OP?
Die letzten Tage waren extrem stressig: Jede Kurve, und war sie noch so klein, trieb mir die Schmierflüssigkeit (Hydrauliköl) durch meine Gelenke (Lenkgetriebe). Am letzten Fahrttag nach Montevideo hing ich praktisch am Servoöl-Tropf: Alle 25-30km musste nachgeleert werden. Und das Ganze mit der Motivation die sog. Flügelpumpe (pumpt das Servoöl je nach Lenkwinkel an die richtige Seite meines Lenkgetriebes) nicht trocken laufen zu lassen. Fällt diese Flügelpumpe nämlich aus, steigt die Gefahr eines Keilriemenrisses.

Da ich kurz nach jedem Nachleeren gleich wieder markerschütternd gequietscht und gejammert habe, hat sich meine Besitzern schon auf das Schlimmste (Reparatur noch in Südamerika) eingestellt. Deshalb auch die ‚Hetze‘ nach Montevideo, weil es sogar über Nacht im Stehen schlimmer wurde. Wenn etwas kaputt gehen sollte, dann bitte in einer großen Stadt, und bestenfalls sogar am Bestimmungsort. Denn selbst bei einer Reparatur, hätte ich zumindest noch das nächste Schiff (Beladung am 29.10.) geschafft; das darauf folgende Schiff hätte Montevideo nämlich erst in der zweiten Novemberhälfte verlassen.
Also wurden die lokale Siemens-Kontakte genutzt und ein paar gute Bekannte nach zuverlässigen Werkstätten befragt, und wir sollten unbedingt zum Service-Leiter Gabriel Pagliaro des lokalen Audiservices gehen! – Meine Zwei wussten zuerst nicht so ganz was sie davon halten sollen, weil die bisherigen Erfahrungen mit offiziellen Hersteller-Werkstätten zumindest in Deutschland nicht besonders gut waren: wenig Wille zum Basteln; viel Wille zum teuren Austausch; aber ein Versuch schadet ja nichts.
Dankenswerterweise hat sich dieses Vorurteil nicht bestätigt. Bei dem Audi-Servicecenter wurden wir tatsächlich extrem nett, und sogar auf Englisch vom Kundenservice-Leiter bedient, der sogar selbst an mir bastelte. Leider ist eine Reparatur nur schwer möglich, da ich ein Europäer bin und hier mit meinem Jahrgang ausschließlich Brasilianer (die ganz anders aufgebaut sind als ich) herum fahren. Ersatzteile – gleich 0, nur mit Import aus Europa möglich.
Also wurde der Entschluss gefasst das restliche Servoöl abzulassen, damit ich mich nicht mehr ganz so schlimm anhöre, und nicht das ganze Schiff volltropfe. Für die restlichen 20km bis zum Schiff sollte das locker reichen, und für die ersten 10km vom Schiff auf den dann wohl notwendigen Autoanhänger auch.
Meine Beiden waren heilfroh dass damit meiner Schiffsreise wohl nichts mehr im Weg steht. Nur beim Einlenken hatten sie schwer zu schuften, weil ich ohne Servounterstützung deutlich schwieriger zu bewegen bin, als die früheren Autos, die nie eine Servolenkung hatten.

Nicht nur dass Gabriel die ganze ‚Untersuchung‘ kostenlos gemacht hat, hat er mir für meine letzte Nacht auf dem südamerikanischen Festland eine kostenlose und wohlbehütete Übernachtung im Audi-Servicezentrum gesponsert. Die jungen, glänzenden Q5s, A4s und A6s haben ganz schön mit ihren Xenons geschaut als ich meine Geschichten erzählt habe. 😉 Währenddessen haben meine Zwei die Einladung eines guten Bekannten, ihnen bei einer abendlichen Stadtrundfahrt die unterschiedlichen Teile Montevideos zu zeigen, dankbar angenommen.

Am nächsten Tage ging es dann an den Hafen: Zoll und Übergabe stand an. Und was soll ich sagen… Man hat mir einen Full-Service Check gegönnt – mit Röntgenbild! Ist das nicht cool? Welches andere Auto kann schon von sich behaupten schon einmal so durchleuchtet worden zu sein? Auch der Rest der Verschiffung ging dieses mal glatt über die Bühne – toll endlich mit Leuten zu arbeiten, die wissen was sie tun! 😉 Am 21.10. (also wieder einen Tag später) ging es dann vom Hafen auf mein Schiff. Wobei Schiff die Untertreibung des Jahres ist: 210m lang und 32m breit. Wer findet einen meiner Fahrer auf dem Bild 6?

Ich hoffe dass ich in 4-5 Wochen, wenn ich wieder ganz zuhause bin, die Videos meiner Dashcam von meiner Be- und Entladung nachliefern kann. Die gelungene Verschiffung wurde dann in der bekannten Markthalle am Hafen eher zünftig gefeiert, man muss sich ja schließlich wieder langsam auf Franken einstimmen.


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2016 ging es von Deutschland über das Baltikum, quer durch Russland, von dort nach Südostasien und weiter in Südamerika, zusammen mit meiner besseren Hälfte, und über große Teile der Strecke mit meinem Audi A3.


Kommentare

Eine Antwort zu „Spannung bis zum letzten „medizinischen“ Check in Montevideo”.

  1. […] hat uns glücklicherweise niemand). Leider haben wir das Röntgenbild, im Gegensatz zu dem vom A3 in Uruguay aus Sabbatical 1, nicht […]

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