Vietnam: Schrill, laut, hektisch aber vor allem eines: KUNTERBUNT

Nach fast zwei Monaten in Russland waren wir ziemlich heiß darauf etwas Anderes zu sehen. Und Vietnam ist anders und heiß :-D!

Über Hong Kong ging es nach Vietnam. Da unsere Zeit hier recht begrenzt ist (Flug nach Südamerika ist bereits gebucht) hieß es ein straffes Programm einzuhalten, welches den meisten aus eigener Erfahrung oder Reisekatalogen bekannt vorkommen dürfte. Wir haben uns die klassischen Highlights für einen ersten Besuch in Vietnam vorgenommen.

Vietnam ist spannend – in jeder Hinsicht. Schrill, laut und kunterbunt. Vietnam fasziniert, reißt mit, nimmt ein, strengt an. Wir sind in Südostasien. Hitzerekord auf unserer Reise bisher in Vietnam: 42 Grad, Luftfeuchtigkeit permanent über 90%, Kapitalismus pur, gepaart mit sozialistischer, kritikerunterdrückender Regierung. Vor wenigen Jahren noch zerstört am Boden, von Krieg, jahrelangem Embargo und Misswirtschaft. Und jetzt? Auf dem Sprung von einem Entwicklungs- zum Schwellenland – und Massen von Touristen, die diese Entwicklung ankurblen, unterstützen und manchmal ausnutzen. Und wir mitten drin.

Eine Umstellung nach Russland auf jeden Fall: Das Leben hier findet überwiegend draußen (auf der Straße) statt.

Jeder will dir etwas verkaufen. Innerhalb von 100 qm gibt’s hier (gefühlt) mehr Touranbieter als in ganz Russland, und mehr Motorroller als Menschen (zumindest gefühlt). Fast überall wird Englisch gesprochen, aber mit der Hygiene wird es hier nicht so genau genommen.

Unsere erste Station war die Hauptstadt Hanoi. Vor allem das „old quartier“ hier ist faszinierend. Es ist einfach so anders im Vergleich zu Allem was wir in Europa kennen. Auf Gehsteigen wird geparkt, gekocht, gegessen, gespielt, gearbeitet, verkauft, gelebt – eben alles – außer gelaufen :-D. Es ist bunt und brechend voll. Manchmal ist dieser Hürdenlauf ganz schön anstrengend und man befindet sich in einem bunten Gemenge aus Autos, Mopeds und Fußgängern. Aber sich hier mehrere Tage treiben zu lassen ist ein Erlebnis für alle Sinne. Natürlich dürfen wir an dieser Stelle nicht verschweigen, dass wir uns zwischenzeitlich fragten, ob Europa leer ist; so viele europäische Touristen wie in Hanoi hatten wir in ganz Russland zusammen nicht gesehen.

Natürlich haben wir auch einen Ausflug in das Weltkulturerbe Halongbucht gemacht, mit Übernachtung auf dem Boot – das traurigste Highlight der Reise. Auch wenn die Natur wunderschön ist, haben hier die Menschen (sowohl Einheimische als auch die Massen an Touristen) ihre Spuren hinterlassen. Leider merkt man das überall in diesem Land, selbst in Teilen wo keine Touristen zu finden sind, Vietnam ist an dieser Stelle eben doch „Entwicklungsland“, und der Müll wird einfach überall hingeworfen und liegengelassen. So etwas gab es in Russland nicht.
Die für Vietnam und Halong-bekannten Dschunken (Holzboote mit farbenfrohen, großflächigen Segeln) sind mittlerweile, bis auf die Touristenshops, verschwunden. Anstatt dessen hunderte Touristenboote (zumindest meist noch aus Holz), die alle zur gleichen Zeit auf der gleichen Wasserautobahn fahren, und zur gleichen Zeit in der gleichen Bucht ankern. Zumindest scheint das den Grund zu haben, dass man die Boote zwingt diese Route zu nehmen, um die anderen Bereiche der Bucht „zu entlasten“. Aber im Meer lässt sich nun mal keine Grenze ziehen. Wirklich hilfreich wäre wahrscheinlich nur eine generelle Beschränkung des Bootsverkehrs, aber für eine Umorientierung zum Schutz der Natur und weg von Billig-Tourismus ist man hier noch nicht bereit… also bewundern wir die Plastiktüten und Coladosen im Sonnenuntergang der Halong-Bucht, und bedauern es ein wenig Teil dieser Verschmutzung zu sein, denn obwohl wir nicht die billigste Tour genommen haben, scheinen sich die Boote alle bemerkenswert wenig zu unterscheiden.

Von Hanoi aus ging es mit dem Nachtzug nach Hue. Wir hatten einen 4-er Schlafwagen mit einem jungen Schweizerpärchen.

Und obwohl ich bisher keine Freundin von Zugreisen bin, dieses beruhigende tak-tara-tak des Zugs der über die Schienen rollt (ein Geräusch welches man bei uns nicht mehr hört), und dazu ein gutes Buch im Schein meines E-Book Readers (ja, ich weiß, nicht ganz stilecht) – das sorgte bei mir für diese Art von Eisenbahnromantik, die in alten Büchern manchmal so angepriesen wird. Diese besondere Art von Romantik, die man einfach nicht nachvollziehen kann, in einem vollen, verspäteten ICE der geräuschlos dahingleitet, während man sich einen Stehplatz vor der Toilette mit einem laut telefonierenden Geschäftsmann (dessen Sitzplatzreservierung nicht geklappt hat) und einer Mutter mit einem quengelnden Kind teilt. Es ist optisch wenig spektakulär, aber man fühlt sich wie in einem alten Film, aus einer anderen Zeit, und erst in diesem Zug konnte ich die verklärte Romantik einer Eisenbahnreise wirklich nachempfinden. 🙂


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2016 ging es von Deutschland über das Baltikum, quer durch Russland, von dort nach Südostasien und weiter in Südamerika, zusammen mit meiner besseren Hälfte, und über große Teile der Strecke mit meinem Audi A3.